Börse konkret: Diese Indizes und Märkte gibt es

Deutschland: Neben Großbritannien der wichtigste Markt Europas. Es gibt zwei große Lager, die „Blue Chips“ und die Small Caps. Die Lage bei den Standardwerten spiegelt der DAX (Deutscher Aktienindex) wieder, der die Kurse der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften zusammenfasst. Dabei wird allerdings nicht einfach der Mittelwert aller Aktien des Index gebildet, sondern jede Aktie wird nach ihrem Gewicht im Markt bewertet. Kriterium für die Größenbestimmung und das Gewicht im Index ist die „Marktkapitalisierung„, also das Produkt aus Aktienanzahl und Kurs. Sie gibt an, wieviel Anlegergeld das Unternehmen an der Börse repräsentiert. Im DAX findet sich, was Deutschland groß gemacht hat, BASF, VW, SIEMENS oder die DEUTSCHE BANK, aber auch relativ junge Newcomer wie SAP oder die privatisierte DEUTSCHE TELEKOM. Die nach den DAX-Werten weiteren 50 größten Aktiengesellschaften finden sich im M-DAX, zusammen. Dort trifft man Werte wie FIELMAN, aber auch den Fernsehsender RTL. Zudem gibt es noch den TecDAX in dem die 30 größten Technikunternehmen Deutschlands enthalten sind und den SDAX in dem die 50 größten der kleineren Aktiengesellschaften Deutschlands enthalten sind.

Die Entwicklung am Rentenmarkt stellt die Umlaufrendite dar. Oft blickt man auch auf den BUND-FUTURE, den Terminmarktkurs für 10-jährige Staatsanleihen.

Europa: Europa wächst zusammen. Mit der Euro-Einführung ist ein Aktienmarkt entstanden, der die Zersplitterung in einzelne Länder sinnlos erscheinen lässt. Deshalb gibt es mittlerweile Indizes, die die größten europäischen Werte in einer Zahl zusammenfassen, den EURO-STOXX 50 für die größten Unternehmen im Euroland und den STOXX 50 einschließlich der „Euro-outsider“ wie Großbritannien oder der Schweiz.

Als eigenständige Länderindizes haben in Europa neben dem DAX eigentlich nur noch der britische FTSE 100 und der Schweizer SMI international Bedeutung.

Über die Zinsentwicklung in Euroland gibt ebenfalls der BUND-FUTURE Aufschluss, weil der deutsche Rentenmarkt der größte in der Euro-Zone ist. Noch muss er konkurrieren mit dem britischen Rentenmarkt. Das dortige Pendant ist der GILT-FUTURE.

USA: Weltweit die Leitbörse. In den USA gibt es drei wichtige Marktsegmente, die durch Indizes erfasst werden. Der DOW JONES INDUSTRIAL bündelt die 30 größten Unternehmen, ist allerdings wegen seiner Zusammensetzung umstritten, da er eine Branchenzusammensetzung wiedergibt, die überholt ist. Als ausgeglicheneres Stimmungsbarometer für den US-Markt wird deshalb der S&P 500 benutzt, der die 500 größten Unternehmen aller Branchen sammelt und damit 70 % des Gesamtwertes aller amerikanischen Aktien repräsentiert. Wegen seiner großen Bedeutung wird auf diesen Index auch ein sogenannter Future-Kontrakt gehandelt, der S&P-FUTURE – und das 24 Stunden am Tag. So kann man schon am frühen morgen in Europa, wenn in New York noch alle schlafen, die Erwartung der europäischen Börsianer für die Eröffnungstendenz an der Wall Street ablesen.
Für die High-Tech- und Wachstumswerte gibt es eine eigene Börse, die computerisierte NASDAQ. Sie berechnet aus den Kursen der Einzelwerte den NASDAQ-COMPOSITE-Index. Auch hier gibt es mitunter erhebliche Tagesschwankungen der Werte. Vertreten sind z. B. MICROSOFT, AMAZON oder EBAY.

Vorlage für die weltweiten Rentenmärkte ist die Verfassung am US-Anleihemarkt. Man misst sie anhand der Umlaufrendite der Treasury Bonds (der 30jährigen Staatsanleihen, kurz T-Bonds) oder am T-BOND-FUTURE.

Japan: Der größte Markt in Fernost und damit Leitbörse für Asien. Ende der 80er Jahre war das der teuerste Aktienmarkt der Welt. Doch heute ist Japan das Sorgenkind der Weltwirtschaft. Die 225 größten Werte des japanischen Marktes repräsentiert der NIKKEI 225, daneben gibt es noch den TOPIX als Index des Gesamtmarktes. Die japanische Zinsfront wird durch die Umlaufrenditen der JGBs, der Japanese Government Bonds, oder den JGB-Future dargestellt.

Die sogenannten „Emerging Markets“: Dazu gehören die Transformationsländer Osteuropas wie Russland oder Ungarn und die Schwellenländer in Asien und Lateinamerika, z. B. Korea, Hongkong, Brasilien oder Argentinien. Große Wachstumschancen stehen hier großen Risiken gegenüber – wie die Asienkrise 1997/98 gezeigt hat. Für den Privatanleger sind diese Märkte fast ein Glücksspiel – am sichersten kann man am Potential dieser Märkte über spezielle Fonds (Emerging Market Fonds) partizipieren.

Länderindizes gibt es in allen diesen Märkten, daneben errechnet die Investmentbank Morgan Stanley Indizes für Regionen, z. B. den MSCI LATIN AMERICA oder den MSCI ASIA und sogar einen Gesamtindex für die Emerging Markets, den MSCI EMERGING MARKETS. Die Rentenmärkte der Emerging Markets sind für den Privatanleger trotz teilweise horrender Renditen kaum interessant. Nur Profis investieren dort.

Welt- und Branchenindizes: Morgan Stanley errechnet auch einen Index für alle Börsen dieser Welt, den MSCI WORLD. Über die letzten 20 Jahre hat dieser Index rund 10 % pro Jahr zugelegt.

Branchenindizes, die z. B. alle Chemie- oder alle Autoaktien zusammenfassen, gibt es von Morgan Stanley ebenfalls weltweit. Aber auch die einzelnen Länderbörsen berechnen solche Indizes. So gibt es in Deutschland für jede wichtige Branche einen eigenen DAX. Und für Europa übernimmt dies der Wirtschaftsverlag DOW JONES, Namensgeber des amerikanischen Aktienindex, der auch die STOXX-Indizes errechnet. Branchenindizes sind wichtig, wenn man das KGV einer Aktie im Verhältnis zu ihrer Branche bewerten will, ohne alle Konkurrenzunternehmen einzeln unter die Lupe zu nehmen. Man vergleicht das einzelne KGV einfach nur mit dem Gesamt-KGV des Index.

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