Welche Risiken bergen Anleihen?

Hier sind zunächst die Basisrisiken zu nennen, die bei jeder Vermögensanlage zu berücksichtigen sind: Konjunkturrisiko, Inflationsrisiko (Kaufkraftrisiko), Länderrisiko, Transferrisiko, Währungsrisiko, Liquiditätsrisiko, psychologisches Marktrisiko, Risiko bei kreditfinanzierten Wertpapierkäufen, steuerliche Risiken.

Neben den Basisrisiken bestehen spezielle Risiken bei verzinslichen Wertpapieren:

Bonitätsrisiko

Unter dem Bonitätsrisiko versteht man die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit oder Illiquidität des Schuldners, das heißt eine mögliche vorübergehende oder endgültige Unfähigkeit zur termingerechten Erfüllung seiner Zins- und/oder Tilgungsverpflichtungen. Emittenten mit niedriger Bonitätseinschätzung und damit vergleichsweise höheren Renditen eignen sich nur für den risikobewussten Anleger. Bei den Junk-Bonds (wörtlich „Ramschanleihen“ oder „Müllanleihen“) ist die Bonität meist sehr gering und die Gefahr eines Totalverlustes besonders in Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs gegeben.

Als Entscheidungshilfe eignen sich die z. B. Ratingsymbole der Firmen Standard & Poors und Moody’s. Mit Hilfe des Ratings lässt sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuldner die mit dem von ihm emittierten Wertpapier verbundenen Zins- und Tilgungszahlungen rechtzeitig und in vollem Umfang erfüllen wird, besser beurteilen. Das Rating ist vor allem im Ausland verbreitet. Ein Anleiherating kannst du auch in deutschen Wirtschaftszeitungen nachlesen. Zu jeder in Euro notierten Anleihe wird eine entsprechende Bonitätsbewertung angegeben.

Zinsänderungsrisiko

Das Zinsänderungsrisiko ergibt sich aus der Ungewissheit über die zukünftigen Veränderungen des Marktzinsniveaus. Der Käufer eines festverzinslichen Wertpapiers ist einem Zinsänderungsrisiko in Form eines Kursverlustes ausgesetzt, wenn das Marktzinsniveau steigt. Dieses Risiko wirkt sich grundsätzlich um so stärker aus, je deutlicher der Marktzinssatz ansteigt und je niedriger die Nominalverzinsung des Papieres ist.

Eine Veränderung des Marktzinsniveaus nach der Begebung eines festverzinslichen Wertpapieres beeinflusst dessen Kursentwicklung in jeweils entgegengesetzter Richtung.

Bei einer Erhöhung des Marktzinsniveaus sinkt in der Regel der Kurs der Anleihe bis ihre Rendite in etwa dem Marktzinssatz entspricht. Bei sinkendem Marktzinsniveau steigt umgekehrt der Kurs des festverzinslichen Wertpapieres bis seine Rendite in etwa dem Marktzinssatz entspricht.

Kündigungsrisiko

In den Emissionsbedingungen kann sich der Schuldner einer Anleihe ein vorzeitiges Kündigungsrecht vorbehalten. Mit einem solchen Kündigungsrecht werden Anleihen oft in Hochzinsphasen ausgestattet. Sinkt das Marktzinsniveau, so steigt für dich als Anleger das Risiko, dass der Emittent von seinem Kündigungsrecht Gebrauch macht. Der Emittent kann auf diese Weise seine Verbindlichkeiten abbauen oder refinanziert sich durch Ausgabe einer neuen Anleihe billiger und verringert damit seine Zinslast.

Auslosungsrisiko

Tilgungsanleihen, die nach einem Auslosungsverfahren zurückgezahlt werden, sind mit besonderen Risiken verbunden. Die unsichere rechnerische Laufzeit bei derartigen Tilgungsanleihen kann zu Renditeveränderungen führen. Wenn eine Anleihe zu einem Kurs von über 100 % gekauft wird und die Rückzahlung der Papiere dann aufgrund der Auslosung zu einem unerwartet frühen Termin zu pari erfolgt, verursacht diese Laufzeitverkürzung eine Renditeverschlechterung.

Liquiditätsrisiko

Ein weiteres Risiko ist die Liquidität des Marktes. Insbesondere bei Anleihen mit geringem Emissionsvolumen lässt die Liquidität des Marktes zu wünschen übrig. Ein Blick in die Kurstabellen zeigt die Auswirkungen: Die Umsätze sind relativ gering. Viele Kurse sind nur Geld- oder Briefkurse.

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