Was ist das Prinzip einer Option?

Bevor wir uns dem Optionsschein an sich zuwenden, will ich dir das grundsätzliche Funktionsprinzip einer Option klar machen. Was ist überhaupt eine Option? Wie kommt es zu der so charakeristischen Hebelwirkung einer Option? Hierzu führe ich zunächst eine Definition aus einem Lehrbuch an und werden das Prinzip dann an einem sehr einfachen Beispiel erläutern, das weder mit Optionen noch mit Optionsscheinen etwas zu tun hat. Grundsätzlich sind zwei verschiedene Optionsarten zu unterscheiden:

Call

Die Kaufoption (Call) beinhaltet das Recht,

  • einen zugrunde liegenden Gegenstand oder Basiswert, eine Aktie etwa,
  • zu einem im voraus bestimmten fixen Preis, dem Ausübungspreis,
  • während oder am Ende der Laufzeit der Option

zu kaufen.

Put

Die Verkaufsoption (Put) beinhaltet das Recht,

  • einen zugrunde liegenden Gegenstand oder Basiswert, eine Aktie etwa,
  • zu einem im voraus bestimmten fixen Preis, dem Ausübungspreis,
  • während oder am Ende der Laufzeit der Option

zu verkaufen.

Das klingt für den absoluten Neuling zunächst einmal erschreckend kompliziert.

Beispiel zum Prinzip der Kaufoption

Stellen wir uns  daherein einfaches Beispiel vor: Herr Meier besitzt einen Gutschein (Kaufoption = Call), mit dem er ein Jahr lang (Laufzeit) bei einer bestimmten Schnellimbisskette einen Cheeseburger (Basiswert) für 2 Euro (vorher festgelegter Preis) kaufen kann. Nehmen wir weiterhin an, der Cheeseburger kostet aktuell regulär 3 Euro. Aufgrund der Differenz hätte seine Option also einen rechnerischen Wert von 1 Euro. Was passiert, wenn der Cheeseburgerpreis plötzlich auf 4 Euro steigt, der Gutschein aber weiterhin gilt? Weil er den Cheeseburger weiterhin für 2 Euro gegenüber dem „Marktpreis“ von 4 Euro kaufen kann, steigt der Wert seines Gutscheins von 1 Euro auf 2 Euro. Entscheidend und charakteristisch für eine Option ist nun folgendes: Während der „Kurs“ des Basiswertes um 33,3… % steigt, verdoppelt sich der Wert der Option, der Wert des Gutscheins legt um 100 % zu! Der Wert des Gutscheins, also der Kaufoption steigt also in diesem Fall dreimal so stark wie der Basiswert. Grund ist die Hebelwirkung der Option, auf die ich selbstverständlich in späteren Teilen dieser Serie noch genauer eingehen werden.

Aber Vorsicht: Natürlich wirkt die Hebelwirkung auch in die entgegengesetzte Richtung! Wenn der Preis für den Cheeseburger plötzlich aufgrund einer massiven Preissenkung nur noch 1,50 Euro betragen würde, wäre die Kaufoption fast wertlos, denn niemand würde den Burger mit Hilfe des Gutscheines für 2 Euro kaufen, wenn er regulär nur 1,50 Euro kostet! Warum nur „fast“ wertlos? Es könnte ja sein, dass der Preis vor Ablauf der Gültigkeitsdauer, hier also des festgelegten Jahres, wieder über 2 Euro steigt, und dann hätte die „Kaufoption“ wieder einen Wert. Sofort wegwerfen sollte man den Gutschein also erst, wenn die Laufzeit wirklich abgelaufen ist! Ich halte abschließend für diesen Fall fest: Preisverlust beim Basiswert 50 % (von 3 Euro auf 1,50 Euro), Wertverlust der Option aber fast 100 %, also doppelt so hoch. Man erkennt:

Der Besitzer einer Kaufoption profitiert immer von einem steigenden „Kurs“ des Basiswertes.

Beispiel zum Prinzip der Verkaufsoption

Bei der Verkaufsoption (= Put) ist das ganze umgekehrt. Ich formuliere das Beispiel nun etwas um. Für den Optionsschein-Kenner mag der obige und erst recht der folgende Vergleich etwas weit hergeholt und primitiv wirken, aber zum Verständnis des Grundprinzips sollten die gezogenen Parallelen einiges beitragen.

Nehmen wir nun also an, Herr Meier besitzt ein Schnellimbiss-Restaurant und alle seine Kunden haben versprochen, ihm treu zu bleiben und bei ihm ein Jahr lang immer zumindest 2 Euro für einen Cheeseburger zu zahlen. Herr Meier selbst hat also die Option darauf, einen Cheeseburger ein Jahr lang für 2 Euro zu verkaufen. Wenn der Marktpreis für einen Cheeseburger in allen anderen Restaurants der Gegend bei 3 Euro liegt, wird er seine Option natürlich nicht ausüben, sondern seine Cheeseburger ebenfalls für 3 Euro verkaufen. Seine Verkaufsoption wäre damit fast wertlos. Wenn der Marktpreis jedoch auf 1,50 Euro sinkt, hat seine Option plötzlich einen Wert (theoretisch 0,50 Euro), denn er kann seinen Burger an seine treuen Kunden weiterhin für 2Euro verkaufen.

Der Besitzer einer Verkaufsoption profitiert folglich von einem fallenden „Kurs“ des Basiswertes.

Mir ist klar, dass insbesondere das zweite Beispiel etwas an der Realität vorbeigeht. Das Grundprinzip der beiden verschiedenen Optionen funktioniert in der Realität jedoch tatsächlich ähnlich, als Basiswert kann anstelle des Cheeseburgers z. B. eine Aktie oder eine Währung stehen. Der vorher festgelegte Preis wäre dann z. B. ein bestimmter Aktienkurs oder Devisenkurs.

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