Qualität der Emittenten von Optionsscheinen

Die Emittenten unterscheiden sich in ihren Preisen und ihren Spreads, bei genauerem Hinsehen aber auch in ihrem Verhalten. Manche Emittenten passen ständig – aus Anlegersicht aus nicht nachvollziehbaren Gründen – die implizite Volatilität neu an, andere dagegen reagieren nur auf stärkere Kursbewegungen oder andere Ereignisse und belassen die Volatilität ansonsten auf dem aktuellen Niveau. Was einem als Anleger lieber ist, ist wohl Geschmackssache. Oft sind in ruhigen Marktphasen die Scheine der erstgenannten Emittenten etwas preiswerter und dafür nach einer stärkeren Kursbewegung umso teurer. Auch die Geschwindigkeit, mit der die Emittenten die Volatilität nach einem bestimmten Ereignis, etwa einer Unternehmensmeldung, anpassen, kann sehr unterschiedlich sein. Daher kommt es in hektischen Marktphasen bisweilen zu sehr starken Preisunterschieden zwischen den einzelnen Emittenten, genaueres Hinsehen kann sich lohnen.

Weiterhin existiert inzwischen auf dem deutschen Markt scheinbar ein gewisser „Image-Aufschlag“: Scheine der Marktführer sind manchmal etwas teurer als andere Scheine, werden aber aufgrund der bisher guten Erfahrungen und des damit verbundenen größeren Vertrauens trotzdem gekauft. Ein Emittent, der einen guten Ruf genießt, hat sich über einen längeren Zeitraum als überdurchschnittlich anlegerfreundlich gezeigt und kann es sich leisten, seine Scheine schon mal ein paar Cent teurer zu verkaufen. Ein Kriterium solltest du jedoch bei der Auswahl deiner Emittenten beachten: Die Minimum-Size.

Was ist die Minimum-Size

Die vom Emittenten gestellten Optionsscheinkurse gelten jeweils nur für eine bestimmte Stückzahl, um möglichst problemloses Hedging sicherzustellen. Die Größenordnungen sind ja nach Liquidität des Basiswerts sehr unterschiedlich: Bei einem Index-Schein wird die Minimum-Size normalerweise größer sein als bei einem Schein auf einen kleinen Nebenwert. Überschreitet eine Order die Minimum-Size, so wird in der Regel der Spread ausgeweitet, so dass du beim Kauf mehr bezahlst bzw. beim Verkauf einen niedrigeren Kurs erhältst.

Mach dir einmal die Mühe und vergleich bei ähnlichen Scheinen auf denselben Basiswert die verschiedenen Minimum-Sizes der Emittenten! Die Unterschiede sind teilweise gravierend. Die Qualität eines Emittenten, dessen Kurs auch für 10.000 Stück noch Gültigkeit besitzt, ist höher einzuschätzen als die eines Emittenten, dessen Kurs lediglich für 1.000 Stück gilt. Hier relativieren sich oft auch die Preisunterschiede bei den Optionsscheinen: Man tut sich natürlich leicht, den günstigsten Kurs am Markt zu stellen, wenn der Kurs nur für eine lächerlich geringe Stückzahl Gültigkeit hat! Oft ist es besser, lieber einen teureren Schein zu wählen, wenn man sich im Gegenzug sicher sein kann, dass man diesen Kurs dann auch wirklich bekommt. Die Aussagekraft der Minimum-Size hat jedoch auch ihre Grenzen: Manche Emittenten garantieren aus lauter Vorsicht, um sich ein Hintertürchen offen zu halten, nur eine niedrige Minimum-Size, können den gestellten Kurs dann aber in normalen Marktphasen auch in den meisten Fällen für ein Vielfaches dieser Stückzahl halten.

Sotiere notfalls Emittenten aus

Generell gilt: Es geht nichts über persönliche Erfahrungen. Lass den Emittenten nicht allzuviel durchgehen! Wenn du mit einem Emittenten mehrmals schlechte Erfahrungen machst, solltest du diesen meiden. Dazu zählt nicht nur mangelnde Einhaltung der gestellten Kurse, sondern auch die Häufigkeit der mysteriösen „Systemabstürze“, in denen plötzlich minutenlang keine Kurse gestellt werden, ebenso wie Mistrades, bei denen eine Order aufgrund eines falschen Kurses storniert wird usw. Jeder kann einmal Fehler machen, und wenn sich der Emittent dann in einem anderen Fall kulant oder auf irgendeine andere Weise entgegenkommend zeigt, sollte man dem Emittenten eine weitere Chance geben. Aber eine Häufung von Fällen, in denen sich ein Emittent eindeutig anlegerfeindlich verhält, solltest du dir nicht bieten lassen. Der deutsche Optionsscheinmarkt ist der größte der Welt, der Wettbewerb ist hart und es gibt genügend Emittenten, auf die man ausweichen kann.

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