Zehn goldene Regeln für den Optionsscheinhandel

Abschließend will ich dir noch ein paar grundlegende Verhaltensregeln mit auf den Weg geben, die man beim Handel mit Optionsscheinen unbedingt beachten sollte. Die Auflistung darf keinesfalls als vollständig betrachtet werden, viele weitere Regeln lassen sich aus der Geldanlage in Aktien übernehmen.

1. Stop-Kurse

Setze grundsätzlich Stop-Kurse zur Verlustbegrenzung (stop-loss). Wo deine Stop-Marke liegt, hängt von deiner Markterwartung, dem Schein und deinem Anlagehorizont ab: Sehr kurzlaufende Scheine für kurzfristige Spekulationen haben hohe Omegas und bewegen sich daher sehr schnell, so dass du den Stopkurs etwas großzügiger, unter Umständen bis 30 % oder gar 40 % unter dem aktuellen Kurs, ansetzen solltest, um nicht ungewollt ausgestoppt zu werden. Wenn dein Basiswert in die richtige Richtung läuft: Zieh den Stopkurs konsequent nach! Denk aber auch mal daran, Gewinne mitzunehmen!

2. Orders limitieren

Vollständig vor „Abstauberlimits“ bist du nie gefeit. Auch wenn viele Börsen inzwischen garantieren, eine Order stets zum Emittentenkurs oder besser auszuführen, so ist es doch sicherer, jede Order zumindest großzügig zu limitieren, um von unliebsamen Überraschungen beim Ausführungskurs verschont zu bleiben.

3. Rechtzeitig verkaufen

Versuchtes „Aussitzen“ von Verlusten, was bei Aktien mit entsprechender Geduld häufig funktioniert, endet bei Optionsscheinen in den meisten Fällen katastrophal. Durch den permanenten Zeitwertverlust wirst du auch dann hohe Verluste machen, wenn der Basiswert den Kurs zum Zeitpunkt des Einstiegs wieder erreichen sollte. Auch eine längere Seitwärtsbewegung ist Gift für jeden Optionsscheinanleger! Wenn deine Position nicht so läuft wie geplant, solltest du dich von dem Schein trennen, auch wenn es nicht leicht fällt. Lieber jetzt 10 % oder 20 % Verlust akzeptieren als später 50 % oder gar einen Totalverlust, weil der Schein wertlos verfällt. Denk stets daran: Wenn du einmal 50 % Verlust machen, benötigst du mit dem übrigen Kapital einen Kursgewinn von 100%, um die Verluste wieder auszugleichen! Siehe dazu auch in die Tradingtabelle!.

4. Realistischer Basispreis

Geh von einem realistischen Kursziel für den Basiswert aus! Auch wenn Steigerungen einer Aktie um 100 % und mehr in einem Jahr vorkommen, so ist die Wahrscheinlichkeit doch eher gering, dass genau du diesen Wert erwischt. Wähle im Zweifelsfall lieber einen etwas weniger riskanten Basispreis.

5. Nebenkosten und Spread beachten

Kalkuliere die Transaktionskosten und den Spread als Verlust von vornherein mit ein, besonders bei sehr kleinen Ordergrößen! Prüfe genau, wie stark der Basiswert steigen muss, um zumindest diese Kosten wieder hereinzuholen. Je kleiner deine Ordergröße ist, umso schwieriger wird es, die Transaktionskosten auszugleichen. Wenn du ernsthaft – nicht nur zum Ausprobieren – in Optionsscheine investieren willst, solltest du nicht mit 100.- oder 500.- Euro anfangen…

6. Nicht gegen den Trend

Nicht gegen den Trend handeln! Eine Regel, die eigentlich aus dem Aktienmarkt bekannt ist, auf die an dieser Stelle aber noch einmal eindringlich hingewiesen werden soll: Denn durch die Hebelwirkung von Optionsscheinen erleidest du schnell deutlich höhere Verluste, wenn sich deine Meinung als falsch herausstellt. Setzt sich der Trend fort, wirst du kaum noch eine Chance bekommen, die Position ohne herbe Verluste loszuwerden. Es ist sehr schwierig, technische Gegenreaktionen oder gar eine Trendumkehr vorherzusagen. Warte lieber, bis sich ein Trend etabliert hat und setze dann mit Optionsscheinen auf den Trend. Du wirst auf Dauer mehr Freude damit haben…

7. Maximal 10 % Depotanteil

Optionsscheine sind eine sehr spekulative Depotbeimischung und eignen sich nur für risikofreudige Anleger. Auch in deren Depots sollte der Anteil an Optionsscheinen aufgrund der hohen Verlustrisiken aber nie mehr als 10 % betragen!

8. Nie auf Kredit

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, aber es kommt immer wieder vor: Spekulation auf Kredit. Viele Anleger versuchen, ihre Verluste mit immer riskanteren Positionen mit Gewalt wieder wettzumachen und greifen dabei nicht selten auch zu Krediten, so dass sie hinterher nicht nur alle Ersparnisse verspielt haben, sondern auch bis zum Hals in Schulden stecken. Du solltest niemals auf Kredit spekulieren, ganz besonders aber nicht mit Optionsscheinen. Wenn du Verluste machst, solltest du prüfen, warum diese entstanden sind und keinesfalls versuchen, diese mit immer mehr Hebelwirkung wieder hereinzuholen. Verwende zur Spekulation nur Kapital, welches du nicht an anderer Stelle benötigst und notfalls auch entbehren kannst!

9. Versteh, was du kaufst

Kauf kein Produkt, von dem du nicht vollständig verstehst, wie es funktioniert! Das gilt für alle Optionsscheine, besonders aber für die vielen Sonderkonstruktionen von Optionsscheinen (exotic warrants). Lies die Produktinformationen sorgfältig durch und prüf deine Gewinnchancen. Spiele auch durch, was mit dem Optionsscheinkurs passiert, falls sich deine Markterwartung als falsch herausstellen sollte!

10. Ständig auf dem Laufenden sein

Am Optionsscheinmarkt überlebst du nur, wenn du schnell reagieren kannst und gut informiert bist. Im Idealfall überprüfst du deine Optionsscheine mehrmals, zumindest aber einmal täglich. Eine Vorgehensweise wie bei Aktien, kaufen, liegenlassen und alle paar Wochen mal nachschauen, führt bei Optionsscheinen zu bösen Überraschungen. Informiere dich außerdem regelmäßig über den Basiswert, die internationalen Finanzmärkte allgemein und auch den Einfluss von aktuellen politischen Geschehnissen auf die Börsen.

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