Welche Kennzahlen gibt es bei Optionsscheinen?

Um bei der heutigen Vielzahl von Optionsscheinen den richtigen zu finden, bedarf es einem soliden Grundverständnis der wichtigsten Kennzahlen. Wenn du diese nicht im Schlaf beherrschst, werden dir entweder die Kurse davonlaufen oder du kaufst einen überteuerten Optionsschein.

Die meisten Finanzzeitschriften enthalten zwar umfangreiche Tabellen mit den wichtigsten Bewertungskriterien, diese sind jedoch meistens aufgrund der hohen Schwankungen (Volatilität) in diesem Marktsegment nicht aktuell und irreführend. Daher ist es wichtig neben soliden Grundkenntnissen auch ein Gefühl für die Preisentwicklung eines Optionsscheines aufzubauen.

Um dir diese Kennzahlen möglichst praxisnah erklären zu können, nutze ich folgendes Beispiel:

Nokia Call-Optionsschein

Wichtig: Der Kurs eines Optionsscheins setzt sich immer aus zwei Bestandteilen zusammen: Dem Inneren Wert und dem Zeitwert. Das Bezugsverhältnis muss dabei mit berücksichtigt werden. Das Bezugsverhältnis in unserem Beispiel von 0,1 sagt aus, dass 10 Optionsscheine nötig sind, um 1 Aktie zu beziehen.

Innerer Wert:

Den inneren Wert eines Optionsscheines erhält man, wenn man den Basispreis (engl. Strike) von dem aktuellen Kurs des Basiswertes (Call), bzw. vom Basispreis den aktuellen Kurs des Basiwertes (Put) abzieht. Dabei muss das Bezugsverhältnis (hier 10:1 bzw. 0,1) berücksichtigt werden. Der innere Wert eines Optionsscheins entspricht folglich dem Betrag, den der Inhaber bei sofortiger Ausübung realisieren kann.

  • Innerer Wert (Call) = (aktueller Kurs des Basiswertes – Basispreis) x Bezugsverhältnis (für einen Call)
  • Innerer Wert (Put) = (Basispreis – aktueller Kurs des Basiswertes) x Bezugsverhältnis (für einen Put)

In meinem Beispiel: Innerer Wert = (27 Euro – 20 Euro) x 0,1 = 0,70 Euro

Zeitwert:

Der Optionsschein notiert aktuell bei 1,10 Euro, davon sind wie wir gerade berechnet haben 0,70 Euro innerer Wert, der Rest von 0,40 Euro ist folglich Zeitwert. Der Optionsschein liegt über seinem inneren Wert, er wird also mit Aufgeld gehandelt.

  • Zeitwert = Optionsscheinkurs – Innerer Wert

Merke: Selbst wenn der Kurs von Nokia unter den Basispreis von 20 Euro rutschen sollte, so besteht trotzdem die Chance, dass Nokia vor Ende der Laufzeit nochmal diese Marke (Basispreis) überwinden kann. Der Optionswert bzw. Optionsscheinkurs besteht also nur noch aus der Chance bzw. dem Zeitwert. Die Chance nimmt logischerweise mit jedem Tag ab und vermindert damit auch den Optionsscheinkurs.

Welche Zustände gibt es bei Optionsscheinen?

Im Umgang mit Optionsscheinen wird zwischen drei verschiedenen „Zuständen“ des Optionsscheines bezüglich seines Basiswertes unterschieden:

  • Im Geld / In the money (ITM): Ein Optionsschein besitzt einen inneren Wert, wenn beim Call (Put) der aktuelle Kurs des Basiswertes über (unter) dem Basispreis liegt. In diesem Fall sagt man, der Optionsschein ist „im Geld“.
  • Am Geld / At the money (ATM): Sind Basispreis und aktueller Kurs identisch, hat der Optionsschein keinen inneren Wert. Man sagt, der Optionsschein ist „am Geld“. An diesem Punkt ist der Zeitwert des Optionsscheins am größten.
  • Aus dem Geld / Out of the money (OTM): Auch keinen inneren Wert hat ein Optionsschein, wenn der aktuelle Kurs des Basiswertes unter (über) dem Basispreis des Calls (Puts) liegt.

Folgende Grafik zeigt nochmal die Entwicklung des Zeitwerts:

Zeitwert Optionsschein

Merke: Ist der Optionsschein am Geld, also der Kurs des Basiswertes gleich dem Basispreis, so ist der Zeitwert am größten. In unserem Beispiel wäre das der Fall, wenn der Kurs von Nokia exakt bei 20 Euro steht, da dies der Basispreis des Calls ist.

Aufgeld:

Das Aufgeld gibt an, um wie viel Prozent die Aktie (Basiswert) steigen muss, bis der Bezug der Aktie durch die Ausübung des Optionsscheines genauso teuer ist wie der direkte Kauf der Aktie an der Börse. Anders ausgedrückt: Um wieviel Prozent der Basiswert bis zur Fälligkeit des Optionsscheins steigen (Call) bzw. fallen (Put) muss, damit der Investor gegenüber seinem Einstiegskurs keinen Verlust erleidet.

Es wird häufig auch als Prämie oder Agio bezeichnet und berechnet sich wie folgt:

  • Formel Aufgeld prozentual (Call): ((Optionsscheinkurs * Bezugsverhältnis + Basispreis / Kurs des Basiswerts) – 1) * 100
  • Formel Aufgeld prozentual (Put): ((Optionsscheinkurs * Bezugsverhältnis – Basispreis / Kurs des Basiswerts) + 1) * 100

Merke: Damit das Aufgeld bei unterschiedlichen Laufzeiten vergleichbar ist, wird dieses häufig auf eine Laufzeit von einem Jahr hochgerechnet. -> Aufgeld p. a.

Bezogen auf das Beispiel Nokia ergibt sich folglich ein prozentuales Aufgeld von:

  • ((((1,10 * 10 / 1) + 20) / 27) – 1) * 100 = 14.81%

Die Aktie Nokia muss also bis zum Laufzeitende um 14,81% auf 31 Euro steigen, damit du keinen Verlust erleidest.

Dieser so genannte Break Even-Point lässt sich folgendermaßen errechnen:

  • Break Even-Point (Call): Basispreis + Optionsscheinkurs * Bezugsverhältnis
  • Break Even-Point (Put): Basispreis – Optionsscheinkurs * Bezugsverhältnis

Für unser Beispiel bedeutet das: 20 + ((1,10 * 10) / 1) = 31 Euro.

Wie funktioniert der Hebeleffekt?

Die Hebelwirkung ist der eigentliche Reiz jedes Optionsscheininhabers. Sie bewirkt, dass eine Kursveränderung des Basiswertes eine prozentual stärkere Kursveränderung des Optionsscheins auslöst. Man „hebelt“ also im Sinne des Wortes mit einem „kleinen“ Betrag eine „große“ Summe.

Formel für den Hebel:

  • Hebel = (aktueller Basiskurs * Bezugsverhältnis)/OS-Kurs

Werfen wir nochmal ein Blick auf das Beispiel:

Nokia Call-Optionsschein

Der Optionsschein hat also einen Hebel von:

  • (27 Euro x 0,1) / 1,10 Euro = 2,45

Wichtig: Der Hebel sagt lediglich aus wieviel „mehr“ Geld man mit einem Optionsschein hebelt im Gegensatz zum direkten Kauf der Aktie. Er berücksichtigt dabei nicht den Zeitwert und sollte daher in der Praxis nicht zur Berechnung der Optionsschein-Performance genutzt werden. Um eine realistische Entwicklung des Optionsscheins gegenüber der Aktie zu berechnen, brauchst du das Delta.

Weiter geht es in dem Artikel: „Dynamische Kennzahlen von Optionsscheinen„.

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