Begriffe und Signale der Charttechnik

Beim Aktienkauf zählen Auswahl und Zeitpunkt, denn mit den richtigen Aktien kann man zum falschen Zeitpunkt Geld verlieren, z. B. bei Kursrückgängen. Diese sind im Gesamtmarkt nur selten vorhersehbar, da sie so überraschend kommen, wie die Ereignisse, die sie herbeirufen (Kriegesausbruch, politischer Skandal oder Großunternehmens-Konkurs).

Charttechnik: Eine wichtige Hilfe für den richtigen Einstiegszeitpunkt ist die Charttechnik, die in Verbindung mit anderen Informationen eine bessere Investitionsentscheidung ermöglicht. Allerdings ist sie nur begrenzt zuverlässig.

Charts: Man kann aus dem bisherigen Verlauf einer Aktie, eines Index oder eines Wechselkurses vorhersehen, wie er sich weiterentwickeln wird. Bei dieser Überlegung wird auch berücksichtigt, dass viele Anleger eine psychologische Kaufentscheidung treffen.

Beispiel: Steigt eine Aktie seit längerem, nutzen Anleger jeden kleinen Rückgang zu neuen Käufen, wodurch der Kurs bald seinen kleinen Verlust wettgemacht hat und erneut steigt. Sobald sie einen neuen Höchststand erreicht hat, verkaufen einige mit Gewinn und der Kurs geht wieder ein wenig zurück. Dieser Rückgang wird von anderen zum Einstieg genutzt usw. Durch die Verbindung der jeweiligen Hoch- und Tiefpunkte ergibt sich ein Aufwärts-Trend (Kanal).

Charts für den DAX-Verlauf findet man in der Tagespresse und im Internet. Das „Lesen“ dieser Charts ist einfach und wird im folgenden erläutert. Daneben gibt es noch weitere Charttechniken, die bekannteste Art ist dabei die Candlestick Charttechnik (auch Kerzentechnik genannt durch das kerzenähnliche Aussehen). Neben den Tageshoch- und Tiefkursen sind auch der Anfangs- und Schlusskurs in diesen Charts enthalten. Das Lesen ist sehr viel schwieriger, weil es erheblich mehr Kombinationsmöglichkeiten gibt. Somit ist die Erzeugung der Kerzencharts wesentlich aufwendiger und teurer, so dass diese Charts meist nur Profis nutzen.

Begriffe und Signale der Charttechnik:

Verschiedene Hilfsmittel und Signale, die durch die Kursverläufe angezeigt werden, deuten auf Kauf- oder Verkaussignale hin.

1. Trendkanal

Er ist das wichtigste Signal der Charttechnik. Er kommt durch Bewegungen wie beim anfangs erwähnten Beispiel zustande, kann allerdings genauso in der Gegenrichtung verlaufen. Dann nutzen Anleger jeden kleinen Anstieg zum Aussteigen. Das lässt den Kurs fallen, wodurch zum Tiefstkurs wieder Kaufinteresse entsteht usw. Die Verbindung der Hoch- und Tiefpunkte ergibt hier einen Abwärtstrend (Kanal).

Beim Seitwärtstrend steigen viele Anleger aus, wenn das bisherige Hoch erreicht ist, und steigen neu ein, wenn der Kurs wieder nahe seinem Tief steht. Beispiel für die Nutzung dieses Charts: Innerhalb eines solchen Seitwärtstrendes können Trader, die unten kaufen und oben verkaufen, Geld verdienen. Wer die Aktie hält, gewinnt oder verliert gar nichts.

Einen langfristigen Trend kann man leicht erkennen. Führt er aufwärts, läuft er bald wieder nach oben. Solche Trends können jahrelang dauern und große Gewinne ohne besondere Mühe bescheren.

Aus dieser einfachen Anlagestrategie leitet sich das Börsianersprichwort „the trend is your friend“ ab und sagt: Folge dem Trend und steige nie in einem Aufwärtstrend aus und nicht in einem Abwärtstrend ein. Wichtig: Acht geben, ob der Trendkanal intakt bleibt. Fällt der Kurs einer Aktie unter die untere Linie eines solchen Aufwärtstrends, droht die Gefahr, dass dieser zu Ende ist und weitere Kursverluste könnten folgen. Wer die Charttechnik benutzt, sollte jetzt aussteigen.

Umgekehrt bedeutet der sogenannte „Ausbruch“ aus einem Abwärtstrend über die obere Linie des Abwärtstrendes, dass eine Kurserholung möglich ist. Charttechisch ist die Aktie dann wieder interessant. Ein Kaufsignal stellt der Ausbruch aus einem Seitwärtstrend über die obere Begrenzung dar. Im Börsenjargon, „der Weg ist frei für neue Höchststände“, also einsteigen. Umgekehrt ist es sehr schlecht, wenn der Kurs aus einem Seitwärtstrend unter die untere Begrenzung fällt. Dann drohen schnell weitere Verluste, man sollte aussteigen.

2. Unterstützungen und Widerstände

Aus dem Seitwärtstrend abgeleitet ergeben sich zwei weitere charttechnische Signale: die obere Begrenzung nennt man eine Widerstandslinie, die untere eine Unterstützungslinie.

Widerstände entstehen aus Hochpunkten, die mehrmals nicht überschritten werden konnten. Da dies den Anlegern aus der Kursentwicklung der Vergangenheit bekannt ist, ist es höchstwahrscheinlich, dass Verkäufe nahe dem Hochpunkt wieder einen Kursrückschlag hervorrufen. Das gleiche gilt für Kursrückgänge. Drehte der Kurs auf einem bestimmten Niveau schon einmal, so ist die Chance gut, dass er an dieser Stelle erneut sein Tief sieht. Es bildet sich eine Unterstützung.

Stößt ein Widerstand nach oben durch, bildet er ab da eine Unterstützungslinie, die nicht so leicht wieder nach unten gebrochen wird. Das umgekehrte passiert, wenn eine Unterstützung nach unten fällt, sie verwandelt sich in einen Widerstand, der erst einmal geknackt werden muss.

Es kann immer wieder vorkommen, dass die Hoch- oder Tiefpunkte von Kursen mehrere Monate oder Jahre zuvor noch immer Widerstände/Unterstützungen darstellen. Oftmals bilden sich in der Nähe dann weitere Extrempunkte, es entstehen Widerstands- bzw. Unterstützungszonen, die damit noch schwerer zu überwinden sind.

Solche Zonen sind meistens sehr stabil und es kann lange dauern, bis sie in der einen oder anderen Richtung überwunden werden.

Beispiel für eine massive Unterstützungszone: Im japanischen NIKKEI-Index existierte über Jahre eine Unterstützung bei 14500 Punkten. Als diese im Spätsommer 98 nach unten gebrochen wurde, fiel der NIKKEI in nur einem Monat um weitere 1500 Punkte. Mit dem Überwinden der nun als Widerstand fungierenden Marke erreichte der Index dann anschließend in nur zwei Wochen die Marke von 16000 Punkten. Wer auf die Charttechnik hörte, konnte „auf der Welle mitschwimmen“.

3. Gleitende Durchschnitte

So wichtig wie Trendkanäle und Unterstützungen/Widerstände sind die gleitenden Durchschnitte. Diese werden in den Chart eingezeichnet und ergeben sich durch den Durchschnitt einer bestimmten Zahl vergangener Handelstage. Die gleitenden Durchschnitte der letzten 5, 30, 90 oder 200 Börsentage werden häufig verwendet.

Das Überschreiten ist ein Kaufsignal, das Unterschreiten ein Verkaufssignal, weil bei Kursen oberhalb der entsprechenden Linie ein positiver Trend zu sehen ist, unterhalb dagegen eine Abwärtstendenz vorherrscht. Wichtig sind auch die Richtungen der gleitenden Durchschnitte. Es ist positiv, wenn sie steigen, negativ, wenn sie fallen. Vorsicht bei Schneidungen verschiedener Trendlinien. Fällt die 30-Tage-Linie unter die 200-Tage-Linie, ist es ein besonders schlechtes Zeichen.

Während die letzten 5 Tage, die für sehr kurzfristige Anleger interessant sind, sind die 30 und 200-Tagelinie manchmal auch in Tageszeitungen zu finden, da sie auch Richtung auf etwas längere Sicht vorgeben und damit für Kleinanleger wichtig sind. Die 30-Tage-Linie zeigt den Trendverlauf auf mittlere Sicht. Interessant ist diese Linie für Anleger, die Aktien mehrere Monate halten wollen. Fällt der Kurs unter diese Linie, sollte die Aktie verkauft werden. Liegt die Aktie unter der Trendlinie und durchstößt sie nach oben, ist dies ein Kaufsignal. Die 200-Tage-Linie ist vor allem für Langfristanleger interessant, die nur bei möglichen starken Kursrückgängen aussteigen möchten.

Beispiel: Wie gewinnbringend die Beobachtung der Trendlinien sein kann, zeigen die beiden Crash’s 1997/98. Wer 1997 auf den 30-Tage-Durchschnitt im DAX reagierte, konnte mehr als 20 Prozent Verlust vermeiden. Wer erkannte, dass der Kurs anschließend nicht unter die 200-Tage-Linie fiel, hätte bis Mitte des 1998 mit dem DAX über 60 Prozent Gewinn machen können.

1998 hätte man nach dem Unterschreiten der 30-Tage-Linie einen Großteil der vorangegangen Gewinne retten können. Auch wer beim Unterschreiten der 200-Tage-Linie bei einem DAX-Stand von gut 5000 verkaufte, konnte sich noch freuen. Anschließend ging es nämlich in nur einem Monat um mehr als 1000 Punkte nach unten. Insgesamt fiel der DAX in der Spitze damit um fast 40 Prozent.

Fazit

Die Charttechnik kann für Kaufentscheidungen nützlich sein, löst aber auch immer mal „Fehlalarm“ aus, wenn beispielsweise eine Unterstützungslinie kurz gebrochen wird, der Anleger panisch verkauft und der Kurs danach wieder ansteigt. Das heißt: Die Charttechnik immer gut im Auge behalten.Viel entscheidender für eine Kaufentscheidung sind nämlich die Unternehmenskennzahlen.

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