Wie werde ich Aktionär?

Wenn du wirklich aktiv an der Börse dabei sein willst, wird die Aktie früher oder später zu deinem Hobby werden – werden müssen! Ein Hobby beansprucht Zeit, aber es bringt auch Vergnügen. Man sollte also wissen, wieviel Zeit man investieren will – neben dem bloßen Geld -, um sein Hobby zu pflegen. Und diese Zeit sollte man wirklich nutzen. Für den Anfänger gilt, was für jeden Studenten gilt: Lesen, lesen, lesen. Fachliteratur für jedes Niveau gibt es in Hülle und Fülle. Daneben sollte man versuchen, beim aktuellen Wirtschaftsgeschehen immer auf dem Laufenden zu sein. Das ist die Grundlage, auf der man mit seinen Analysemethoden drangehen kann, sich gezielte Werte auszusuchen.

Wichtige Regeln für den Anfang

Egal, welche Werte man im Einzelnen bevorzugt, eines sollte man immer beachten: Das Risiko zu streuen: Je mehr Einzelwerte man hat, desto geringer ist das Risiko. Im Regelfall sollten nicht weniger als fünf Werte im Depot liegen und die natürlich nicht alle aus der selben Branche stammen. Deshalb scheidet die Anlage in Einzelaktien unterhalb einer Mindestanlagesumme von insgesamt 5.000 Euro wegen der Mindestprovisionen bei An- und Verkauf schon aus, hier ist ein Aktienfonds ratsam. Das Depot sollte aber auch nicht zu unübersichtlich werden. Man sollte die aktuelle Wertentwicklung schon mit wenigen Blicken auf die Kurstafeln abschätzen können, um nicht die Übersicht zu verlieren und die Stimmungslage an der Börse nicht mehr auf sein Depot „umrechnen“ zu können. Außerdem sind die Zeiten, wo man sein ganzes Geld in Aktien stecken konnte (wie in den Jahren vor 1998) wohl vorbei. Man sollte deshalb immer etwas „cash“, also „Bargeld“ (d. h. auf einem ans Depot gebundenen Tagesgeldkonto oder in einem Geldmarktfonds) übrig behalten, um bei starken Kursrückgängen auf „Schnäppchenjagd“ gehen zu können.

Je nach Risikoneigung kann man sein Depot dann aus Standardwerten (den DAX– und ausgewählten M-DAX-Werten oder ausländischen Weltunternehmen wie COCA COLA oder APPLE) und spekulativen Aktien (hauptsächlich neue Unternehmen oder, wenn international, von der NASDAQ) zusammensetzen, nachdem man sich über die Unternehmen gründlich informiert hat. Ab dann ist es wichtig, die Unternehmen gut im Auge zu behalten, um auf positive oder negative Neuigkeiten reagieren zu können. Das gilt natürlich besonders für die spekulativen Werte. Hier sollte man sich nicht lumpen lassen, besonders starke Kurssprünge zum Verkauf mit Gewinn zu nutzen, denn ein alter Börsenspruch sagt: An Gewinnmitnahmen ist noch keiner arm geworden. Und ohne zu verkaufen sind Kursgewinne nur Buchgewinne.

Ebenso muss man aber auch die Konsequenz aufbringen und bei einer Talfahrt die Notbremse ziehen, wenn der drohende Kursverlust einfach zu hoch erscheint, um die Sache „auszusitzen“. Dabei kann einem folgende Regel nützlich sein, da man nicht weiß, ob der Kurs am nächsten Tag noch weiter steigt oder fällt: Beim Verkauf nicht sofort alles verkaufen, sondern z. B. nur die Hälfte. Und genauso beim geplanten Kauf nicht das gesamte Geld sofort umsetzten, sondern auch erst die Hälfte – oder bei längerfristiger Anlage sogar noch feiner staffeln, dann nutzt man den sogenannten „cost average effect“. Man kauft de facto zu einem Durchschnittspreis, der die Kursschwankungen in der Kaufphase abschwächt.

Grundsätzlich sollte man sein gesamtes Depot regelmäßig überprüfen, ob die angestrebte Chance/Risiko-Gewichtung noch stimmt oder ob man schlechte Titel ausmisten und aussichtsreichere Werte zukaufen muss.

Guter Rat ist teuer – Die Hausbank

Die gute alte Hausbank, sei es die Filiale einer Großbank am Marktplatz oder die Sparkasse oder Volksbank um die Ecke, nimmt den Kunden gerne an die Hand. Für die ausführliche Beratung gilt: Auch sie schützt natürlich nicht vor Verlusten, aber bei Falschberatung, wenn man z. B. über das Verlustrisiko unzureichend aufgeklärt wurde, kann man auf Schadensersatz klagen. Dafür nimmt die Hausbank auch happige Provisionssätze für alle Wertpapiergeschäfte und langt bei Depotgebühren auch kräftig zu. Außerdem ist man hier an starre und oft knapp bemessene Öffnungszeiten gebunden. Für schnelles Handeln keine Chance. Wer aber unerfahren ist und ausführliche Beratungsgespräche nicht missen will, der wird dem Bankschalter nicht den Rücken kehren wollen. Für das langfristige Aktiensparen spielen die Gebühren sowieso eine untergeordnete Rolle.

Eins muss aber auch der Börsenneuling beachten: Nicht immer ist der erste Ansprechpartner auch der kompetenteste. Frag gezielt nach dem Anlageexperten und zeig auch Bereitschaft, in eine andere Filiale der Bank zu gehen, wenn die kleine Filiale vor Ort keinen ausreichend geschulten Mitarbeiter besitzen sollte. Und noch eines solltest du wissen: Der Bankberater ist kein unabhängiger Experte, der nur dein Wohl im Auge hat. Er vertritt immer die Interessen der Bank – und die sind nicht immer identisch mit denen des Anlegers. Die Empfehlungspolitik der Bankberater in den Filialen wird von den Zentralen der Banken gesteuert, und da wird manches Mal ein Wert gepusht, den die Zentrale eigentlich los werden will.

The straight way – Die Direktbank

Direktbanken, auch Discount-Broker genannt, sind unschlagbar günstig. Man zahlt bis zu 90 % weniger Provision als bei der Hausbank. Und auch die Depotgebühren sind hier keine Renditekiller. Über Telefoncomputer oder das Internet sind sie zudem rund um die Uhr erreichbar – nur die Börsenöffnungszeiten begrenzen die Handlungsfähigkeit des Kunden. Dafür muss er dann genau wissen, was er will. Er bekommt hier keinerlei Beratung (das schreiben sich die Direktbanken ganz groß in ihre Geschäftsbedingungen) und trägt das Risiko seiner Anlageentscheidungen ganz allein. Deshalb sind die Direktbanken nur etwas für Fortgeschrittene. Die haben hier aber alle denkbaren Freiheiten.

Aber immer gilt: Order limitieren!

Egal, ob du nun bei deinem Kundenberater in der Volksbank neben der Bäckerei oder gleich per Internet-Formular bei der Direktbank dein Depot eröffnet hast. Für die eigentlichen Aktienorder, die Kauf- oder Verkaufsaufträge, sollte immer gelten: Setze Kurs- und Mengenlimits, im Klartext: Nenn den Maximal- bzw. Minimalpreis nebst Höchst- oder Mindeststückzahl, zu denen du zum Kauf oder Verkauf bereit bist. Du wählst also einen maximalen Kaufpreis, der mit deiner persönlichen Gewinnschätzung der Aktie noch verträglich ist und wählst einen Verkaufspreis, der bei Gewinnmitnahmen noch wirklich für Gewinne sorgt und bei Verlustrealisierung verkraftbar bleibt.

Aber auch den Kursverlauf solltest du abschätzen: Wie stark dürfte sich das Papier jetzt bewegen, wo du kaufen/verkaufen willst? Manchmal hilft hier ein Tageschart. Du kannst auch Staffellimits setzen, also mehrere Order mit unterschiedlichen Limithöhen aufgeben, um einen Durchschnittspreis zu erzielen. Ohne Limit kann es passieren, dass du Mondpreise bezahlst oder deine Papiere fast verschenken musst. Gerade wenn ein Unternehmen heiß empfohlen wurde, anschließend stark steigt, weil alle aufspringen wollen und unlimitiert ordern solltest du cool bleiben. Solch ein Unternehmen gibt es einen Tag später oft schon wieder erheblich billiger. Eine limitierte Order gilt übrigens, wenn nicht anders angegeben, bis zum letzten Banktag des Monats („Ultimo“).

Kannst oder willst du den Kurs deiner Aktien nicht ständig im Auge behalten, kannst du zudem längerfristige Kursmarken setzen, ab denen dein Broker automatisch kauft (stop buy-Order) oder verkauft (stop loss-Order). Gerade hier kann die Charttechnik nützliche Hinweise liefern, nur solltest du bedenken: Charts lesen können alle. So kann es leicht passieren, dass ein charttechnisch prägnantes Verkaufssignal zu automatischen Verkäufen so großer Volumina führt, dass die Verkäufer zu ihrem stop loss-Kurs gar nicht mehr bedient werden können sondern nur noch weit darunter. Deswegen sollte man auf die Kursmarken immer einen Sicherheitsaufschlag (für stop loss) bzw. -abschlag (für stop buy) vorsehen, allerdings unter Berücksichtigung der Gefahr, dass das eigentliche charttechnische Signal dann gar nicht mehr eintritt, weil der Kurs kurz vorher wieder dreht.

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