Optionsscheine erklärt: Was ist ein Optionsschein und wie funktioniert er?

Optionsscheine, auch Warrants genannt, verbriefen das Recht, eine bestimmten Anzahl des Basiswertes (Underlying) zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Diese beiden Optionsscheinarten unterscheiden sich in amerikanische (American style) und europäische (European style), wobei die Namen sich nicht auf die Herkunft, sondern auf den Ausübungszeitpunkt des Optionsscheins beziehen. Dem amerikanischen Optionsschein wird eine Ausübungsfrist zugrunde gelegt, d. h. der Schein kann während der Laufzeit ausgeübt werden. Dem europäischen Optionsschein wird ein Ausübungstag zugrunde gelegt, d. h. dieser Schein darf nur am letzten Tag der Laufzeit ausgeübt werden.

In der Regel wird ein Barausgleich (Cash Settlement) vorgenommen, bei dem der Optionsscheininhaber die Differenz zwischen aktuellem Markt- und Basiswert ausgezahlt wird. (Bei Warrants, die auf Indizes laufen, wäre ein physischer Ausgleich eh nicht möglich.) Der eigentliche Reiz am Optionsscheingeschäft liegt aber nicht in der Ausübung des Optionsrechts, sondern darin mit relativ geringem Kapitaleinsatz überdurchschnittliche Gewinne, bedingt durch die Hebelwirkung, zu realisieren. Dabei erwartet der Käufer eines Calls einen Kursanstieg des Underlyings, der Käufer eines Puts erwartet tiefere Notierungen des Underlyings.

Die Preise der Optionscheine werden von den jeweiligen Emittenten festgelegt. Dies geschieht durch Computerprogramme (Pricing Tools). Es werden zwei Kurse gestellt: Der Briefkurs, zu dem der Anleger kaufen kann und der Geldkurs, zu dem der Anleger verkaufen kann. Zwischen diesen beiden Kursen liegt eine Spanne, der Spread. Kauf- und Verkaufsorders werden an den Emittenten weitergeleitet, der während der Handelszeit dazu verpflichtet ist, Käufe und Verkäufe zu ermöglichen.

Basisdaten von Optionen

  • Basiswert (Underlying): Dazu zählen Aktien, Anleihen (Zinsoptionsscheine), Synthetische Finanzprodukte (Indizes, Baskets), Waren(Edelmetalle, Rohstoffe) und Währungen.
  • Bezugsverhältnis (Optionsverhältnis): Das Bezugsverhältnis definiert die Anzahl der Aktien (Underlyings), die du kaufen (Call) oder verkaufen (Put) kannst. Meist liegen Optionsscheinen nur Bruchteile des Underlyings zugrunde: ein Bezugsverhältnis von 10:1 bzw. 0,1 bedeutet, dass du für einen Optionsschein nur ein Zehntel (10 %) des Underlyings beziehen kannst. Für den Bezug einer Einheit des Basiswertes wären also 10 Optionsscheine nötig.
  • Basispreis (Strike): Der Basispreis bezeichnet den Kurs, zu dem das Underlying bei der Ausübung gekauft oder verkauft werden kann.
  • Laufzeit: Die Laufzeit eines Optionsscheines definiert, bis zu welchem Zeitpunkt ein amerikanischer Optionsschein ausgeübt werden darf bzw. an welchem Tag der Inhaber eines europäischen Optionsscheines sein Optionsrecht ausüben darf.

Welche Kennzahlen gibt es bei Optionen?

Ein Optionsschein beinhaltet mehrere Kennzahlen, die zur qualitativen Bewertung des Scheins herangezogen werden. Unterschieden werden statische und dynamische Kennzahlen. Statische Kennzahlen liefern eine einfache Möglichkeit Optionsscheinpreise zu bewerten, lassen aber nur Vergleiche mit Optionsscheinen ähnlicher Basisdaten zu. Unter Berücksichtigung dynamischer Kennzahlen, die in Abhängigkeit zu variablen Einflussgrößen (z. B. Underlying-Kurs) stehen, lassen sich zukünftige Preisentwicklungen ableiten.

Statische Kennzahlen

Aufgeld (Agio): Das Aufgeld gibt an (in Prozent), um wieviel teurer der Kauf/Verkauf (Call/Put) eines Underlyings über einen Optionsschein ist, als der direkte Kauf/Verkauf (Call/Put) des Underlyings.

Call: Agio[%] = [OSK – (ULK – BP) * BV)/(ULK * BV)] * 100

Put: Agio[%] = [OSK – (BP – ULK) *BV/(ULK * BV)] * 100

OSK := Optionsscheinkurs
BP := Basispreis
ULK := Underlyingkurs
BV := Bezugsverhältnis

Break-Even-Point: Den Break-Even-Point muss das Underlying erreichen, um eine verlustfreie Ausübung des Optionsrechtes zu ermöglichen.

Call: Break-Even-Point = BP + (OSK/BV)

Put: Break-Even-Point = BP – (OSK/BV)

Parität (Innerer Wert): Die Parität gibt an, wie weit der Optionsschein im Geld oder aus dem Geld ist. Sie ergibt sich aus der Differenz vom Basispreis und dem Kurs des Underlyings. Zu beachten ist hierbei das Bezugsverhältnis!

Parität (Call) = (ULK – BP) * BV

Parität (Put) = (BP – ULK) * BV

  • Im Geld (In The Money): Bedeutet, dass bei einem Call der aktuelle Kurs des Underlyings über dem Basiswert liegt. Bei einem Put bedeutet dies, dass der aktuelle Kurs des Basiswertes unter dem Kurs des Underlyings liegt.
  • Am Geld (At The Money): Bedeutet, dass Basiswert und aktueller Underlyingkurs gleich sind. Der Schein hat in diesem Fall keinen inneren Wert.
  • Aus dem Geld (Out Of The Money): Call: aktueller Kurs des Underlyings unter Basispreis. Put: aktueller Kurs des Underlyings über Basispreis. Der Schein hat hier ebenfalls keinen inneren Wert.

Zeitwert: Der Zeitwert nimmt mit der Restlaufzeit des Optionsscheines ab. Bei einer Seitwärtsbewegung des Underlyings nimmt der Zeitwert ebenso ab und der Optionsschein erleidet einen Wertverlust. Je näher der Verfallstag rückt, desto stärker verliert der Schein an Wert. Am Verfallstag besitzt der Optionsschein nur noch den inneren Wert.

Zeitwert: Zeitwert = OSK – IW

IW := innerer Wert

Volatilität: Die Volatilität (historische Volatilität) zeigt die prozentuale Breite von Kursschwankungen an, denen das Underlying unterworfen ist. Implizierte Volatilität: dies ist die im Optionsschein enthaltene Volatilität und ergibt sich aus der Auflösung optionspreistheoretischer Modelle nach der Volatilität. Durch Vergleich der Implizierten Volatilität und der historischen Volatilität lässt sich der Schein bewerten (in einer einfachen Form): liegt die implizierte über der historischen Volatilität, ist der Schein zu teuer. Des Weitern ist damit zu rechnen, dass ein Schein mit einer hohen implizierten Volatiltät generell teurer ist, da der Emittent davon ausgeht, dass der Schein eine größere Chance hat ins Geld zu gehen.

Hebel (Gearing): Die Größe des Hebels zeigt dem Anleger, wie stark er an einer Kursveränderung des Underlyings mit seinem Optionsschein partizipieren kann, positiv, wie auch negativ.

Hebel = (ULK * BV)/OSK

Wobei die Aussagekraft dieses Hebels gegen Null tendiert, da sich bei einer Kursbewegung des Underlyings der Kurs des Optionsscheins nicht in einem starren Verhältnis ändert, sondern überproportional in Bezug auf das eingesetzte Kapital.

Dynamische Kennzahlen

Theoretischer Hebel (Leverage): Um einiges aussagekräftiger als der einfache Hebel ist der theoretische Hebel, der die tatsächliche prozentuale Bewegung des Optionsscheinkurses bei einer einprozentigen Änderung des Underlyings misst.

Theoretischer Hebel = [(ULK * BV)/OSK] * Delta

Wobei das Delta (Preissensitivität) die Veränderung des Optionsscheinpreises in Abhängigkeit der Kursveränderung des Underlyings angibt.

Delta = (DeltaOSK/BV) * DeltaULK

Somit ist das Delta die erste Ableitung des Optionsscheinkurses nach dem Underlyingkurs. Diese dynamische Kennziffer kann bei einem Call Werte zwischen 0 und 1 annehmen, bei einem Put Werte zwischen 0 und -1. Scheine die weit aus dem Geld sind werden von den Kursveränderungen des Underlyings nur gering angesprochen, das Delta geht hier gegen Null. Ein Schein der tief im Geld ist, besteht nahezu vollständig aus innerem Wert und bewegt sich fast analog zum Underlying und hat ein Delta nahe bei 1 (Call), -1 (Put). Bei einem Delta von 0,5 (Call), -0,5 (Put), also einer Parität von Null, ist der Schein am Geld.

Gamma: Das Gamma gibt die Veränderung des Deltas in Abhängigkeit der Kursveränderung des Underlyings an. Ein hohes Gamma gibt eine starke Veränderung des Deltas an. Das Gamma errechnet sich aus der ersten Ableitung des Deltas nach dem Kurs des Underlyings.

Omega: Das Omega ist mathematisch nichts anderes als der theoretische Hebel und misst die prozentuale Veränderung des Optionsscheinkurses in Abhängigkeit von der prozentualen Veränderung des Underlyings.

Vega (oder auch Kappa): Das Vega spiegelt die Veränderung des Optionsscheinkurses in Abhängigkeit der implizierten Volatiltät des Underlyings wieder.

Rho: Das Rho zeigt die Veränderung des Optionsscheinkurses in Abhängigkeit von Zinsveränderungen. Der Kapitalmarktzins hat direkten Einfluss auf die Preisbildung von Optionsscheinen: steigende Zinsen bedeuten steigende Kurse bei Calls und fallende Kurse bei Puts und umgekehrt.

Theta: Das Theta ist ein Maß für den Zeitwertverfall eines Optionsscheins. Er wird als prozentualer Wertverlust für einen kommenden Zeitraum angegeben.

Welche Arten von Optionscheinen gibt es?

  • Aktien-Optionsscheine: Aktien-Optionsscheine verbriefen das Recht zum Kauf oder Barausgleich beim Überschreiten des zugrunde gelegten Aktienkurses beim Call, zum Verkauf oder Barausgleich beim Unterschreiten des zugrunde gelegten Aktienkurses beim Put.
  • Index-Optionsscheine: Index-Optionsscheine verbriefen das Recht zum Barausgleich beim Überschreiten des zugrunde gelegten Indexstandes beim Call, zum Barausgleich beim Unterschreiten des zugrunde gelegten Indexstandes beim Put.
  • Rohstoff-Optionsscheine: Rohstoff-Optionsscheine verbriefen das Recht zum Barausgleich beim Überschreiten des zugrunde gelegten Rohstoffpreises beim Call, zum Barausgleich beim Unterschreiten des zugrunde gelegten Rohstoffpreises beim Put.
  • Währungs-Optionsscheine: Währungs-Optionsscheine verbriefen das Recht zum Kauf oder Barausgleich beim Überschreiten des zugrunde gelegten Währungskurses beim Call, zum Verkauf oder Barausgleich beim Unterschreiten des zugrunde gelegten Währungskurses beim Put.
  • Basket-Optionsscheine: Ein Basket ist eine eine Sammlung bestimmter Werte, meist branchenbezogen: Biotech, Pharma, Automobil… Basket-Optionsscheine verbriefen das Recht zum Kauf oder Barausgleich beim Überschreiten der zugrunde gelegten Basiswerte beim Call, zum Verkauf oder Barausgleich beim Unterschreiten des zugrunde gelegten Basiswerte beim Put.

Welche Spezial-Optionsscheine gibt es?

  • Bottom-Up: Bei einem Bottom-Up erhöht sich der Rückzahlungsbetrag für jeden Kalendertag, an dem sich das Underlying bis zum Laufzeitende über der definierten Grenze (Barrier) befindet um den angegebenen Betrag.
  • Top-Down: Bei einem Top-Down erhöht sich der Rückzahlungsbetrag für jeden Kalendertag, an dem sich das Underlying bis zum Laufzeitende unter der definierten Grenze (Barrier) befindet um den angegebenen Betrag.
  • Hits: Ein Hit-Optionsschein berechtigt zum sofortigen Erhalt der maximalen Auszahlung, wenn das Underlying die Hit-Schwelle erreicht oder überschreitetet (Call), bzw. unterschreitet (Put). Wird die Schwelle während der gesamten Laufzeit nicht berührt, so verfällt der Optionsschein am Laufzeitende wertlos.
  • Power-Optionsschein: Bei einem Power-Optionsschein ergibt sich der auszuzahlende Betrag aus der quadrierten Differenz vom Schlusskurs des Underlyings am Ausübungstag und dem Bezugskurs.
  • Single-Range-Optionsschein: Bei einem Single-Range-Optionsschein erhöht sich der Rückzahlungsbetrag des Optionsscheins für jeden Tag, an dem sich das Underlying bis zum Laufzeitende innerhalb der definierten Range befindet um den angegebenen Betrag.
  • Dual-Range-Optionsschein: Bei einem Dual-Range-Optionsschein verringert sich der Rückzahlungsbetrag des Optionsscheins für jeden Tag, an dem sich das Underlying bis zum Laufzeitende außerhalb der definierten Range befindet um den angegebenen Betrag.
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