Was sind verzinsliche Wertpapiere?

Verzinsliche Wertpapiere oft auch Anleihen, Bonds, Renten oder Obligationen genannt, sind auf den jeweiligen (anonymen) Inhaber oder den Namen eines bestimmten Inhabers lautende Schuldverschreibungen. Sie sind mit einer festen oder variablen Verzinsung ausgestattet und haben eine vorgegebene Laufzeit und Tilgungsform. Der Käufer einer Schuldverschreibung (= Gläubiger) besitzt eine Geldforderung gegenüber dem Emittenten (= Schuldner).

Mit der Ausgabe dieser Papiere decken Unternehmen und öffentliche Körperschaften, Staaten und subnationale Institutionen(Weltbank) ihren Finanzierungsbedarf. Sie werden entweder als Einzelurkunden mit bestimmten Nennwerten ausgedrückt (= effektive Stücke) oder als Sammelurkunden. Letztere werden bei der Deutsche Börse Clearing AG zur Girosammelverwahrung hinterlegt. Der Käufer erhält eine Gutschrift über seinen Miteigentum an der Urkunde. Die ersteren können vom Anleger selbst verwahrt werden.

Merkmale

Die Ausstattungsmerkmale einer Anleihe sind in den Emissionsbedingungen im Detail aufgeführt. Dazu zählen u.a. :

  • Laufzeit: Ist der Zeitraum zwischen Verzinsungsbeginn und Fälligkeit Es gibt kurzfristige Anleihen (bis 4 Jahre), langfristige Anleihen (über 8 Jahre) und mittelfristige Anleihen (zwischen 4 und 8 Jahre).
  • Tilgung: Über planmäßige oder außerplanmäßige Rückzahlungen möglich.
  • Verzinsung: Steht in den jeweiligen Anleihebedingungen. Es gibt nicht nur den klassischen Festzins, den variablen Zins oder den der Marktbedingungen angepasste Zins! Viele Mischformen sind möglich.
  • Währung: Es gibt Euro-, oder Fremdwährungsanleihen. Bei Doppelwährungsanleihen können die Kapitalrückzahlung und die Zinszahlung in verschiedenen Währungen erfolgen. Es kann dem Emittenten oder dem Käufer ein Wahlrecht eingeräumt werden.
  • Rang im Konkursfall oder bei Liquidation des Schuldners: Man unterscheidet vorrangige, nachrangige und gleichrangige Anleihen, je nachdem ob die Ansprüche des Anlegers im Verhältnis zu sonstigen Gläubigern bevozugt, gleichberechtigt oder nachrangig bedient wird.

Formen von Anleihen

Für die Unterscheidung der Anleihen spielt nicht nur die Währung sondern auch der Emissionsmarkt und der Sitz des Emittenten eine Rolle. Auf dem Heimatmarkt emittierte Anleihen sind somit Inlandsanleihen. Unter den Begriff internationale Anleihen fallen die Auslandsanleihen und die Euroanleihen, noch Eurobonds genannt. Die Auslandsanleihen erscheinen auf den jeweiligen nationalen Kapitalmärkten, werden nur dort platziert, gehandelt und börsennotiert. Die Eurobonds sind internationale, nicht nur europäische, Schuldverschreibungen, die über internationale Bankkonsortien platziert werden, auf eine international anerkannte Währung lauten und in mehreren Ländern außerhalb des Heimatlandes des Emittenten gehandelt werden. Sie sind nicht mit den Anleihen zu verwechseln, die durch die Einführung des Euro auf diese Währung lauten!

Sonstige Formen von Anleihen, an die besondere Rechte gekoppelt sind:

Emittenten

Als Emittenten von Anleihen können verschiedene Institutionen auftreten. Für den Anleger wichtig ist die Unterscheidung der Finanzkraft und Bonität unter den Emittenten, da diese Faktoren sicherheitsrelevant für seinen möglichen Ertrag sind. Man unterscheidet hier folgende Gruppen:

Anleihen öffentlicher Hand: z. B. Bund, Länder, Städte, Gemeinden
Bankschuldverschreibungen: Werden von Kreditinstituten herausgegeben. Es gibt gedeckte und ungedeckte Schuldverschreibungen. Der Unterschied besteht darin, dass die ersteren nur von zugelassenen Emittenten wie z. B. Hypothekenbanken, Landesbanken/ Girozentralen oder Spezialkreditinstituten begeben werden können. Letztere können zusätzlich zu den zugelassenen Emittenten noch von privaten Geschäftsbanken, Sparkassen, Kreditgenossenschaften und Bausparkassen emittiert werden.
Industrieanleihen: Sind Schuldverschreibungen der Wirtschaft, deshalb sind die Emittenten hier Unternehmen aus Industrie und Handel. Die Ausstattung ist unterschiedlich!
Anleihen ausländischer Emittenten: Weisen oft in Deutschland nicht gebräuchliche Ausstattungsmerkmale auf. Im Einzelnen beachten!

Erträge

Steuerlich gesehen können diese Anleihen sehr attraktiv sein, da die Zinseinnahmen erst bei einem Weiterverkauf oder erst am Ende der Laufzeit versteuert werden müssen. Bei Zero-Bonds (Null- Coupon- Anleihen, d. h. ohne Zinskupon) werden die Zinsen erst am Ende der Laufzeit fällig und ausbezahlt, d. h. der Anleger hat keine laufenden Erträge. Der Anleger erhält quasi die Differenz zwischen Rückzahlungskurs und Emissionskurs als Ertrag! Optimal wäre es, diese Anleihen zu Zeiten hoher Zinsen zu kaufen! Schlecht aussehen kann es bei den Junk-Bonds (Ramsch- Anleihen), da die Bonität dieser minderwertigen Anleihen oft sehr schlecht ist und es zweifelhaft ist, ob der Anleger sein Geld pünktlich oder überhaupt zurückbekommt. Dafür werden sie aber mit einem recht hohen Zinssatz begeben.

Allgemein hängen die Gewinnaussichten des Anlegers hauptsächlich von der finanziellen Struktur und der Bonität des Emittenten ab, aber auch von den Haftungsverhältnissen. In Deutschland sind die Qualitätsansprüche hinsichtlich der Sicherheit von Anleihen inzwischen zum Schutze des Anlegers sehr hoch angelegt.

Risiken von Anleihen

Auch wenn diese Anlageform im Vergleich zu anderen Wertpapierananlagen als relativ sicher gilt, gibt es doch auch hier einige Risikoquellen: Bonitätsrisiko, Kündigungsrisiko, Zinsänderungsrisiko, Auslosungsrisiko sowie andere, einzelner Anleiheformen zugeordnete spezifische Risiken.

Aufgrund der langen Laufzeit sind die Kursrisiken hoch, abhängig von der Zinsentwicklung und Bonität des Emittenten, die ja nicht vorhersehbar sind. Beim Kauf von Anleihen in ausländischer Währung kommen noch die Kursschwankungen der betreffenden Währung als Risikofaktor hinzu! Bonitätsveränderungen der Herausgeber können sich durch konjunkturelle Veränderungen, politische Entwicklungen oder Veränderungen, die ihre Ursache im einzelnen Unternehmen finden, ergeben. Wenn der Schuldner sich in den Emissionsbedingungen ein vorzeitiges Kündigungsrecht eingeräumt hat, kann er insbesondere zu Zeiten hoher Zinsen davon Gebrauch machen, um auf diese Weise seine Verbindlichkeiten abzubauen, sich zu refinanzieren oder seine Zinslast zu senken durch Ausgabe neuer Anleihen. Für dich als Anleger heißt dies, dass sich deine erwartete Rendite schmälert!

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