Börsenpsychologie: So musst du an der Börse denken!

Börse ist Massenpsychologie, diesen Satz hört man immer wieder. Und weil die Masse fast immer falsch liegt, sollte der langfristig erfolgreiche Börsianer möglichst antizyklisch handeln. Er sollte also genau wie die großen Börsengurus Warren Buffet oder André Kostolany immer dann kaufen, wenn die Stimmung zu Tode betrübt ist, und stets verkaufen, wenn sie himmelhoch jauchzend ist. Auch das ist eine der vielzitierten Börsenweisheiten. Aber warum sollte man so handeln? Dazu zuerst ein Beispiel:

Die psychologische Verfassung des Marktes, also die Stimmung der Börsianer, ist nicht immer aus dem Kursverlauf ersichtlich. Der Kursverlauf des Dow-Jones-Index beispielsweise sah im Jahre 1994 nach ziemlich guter Stimmung aus. So hatte der Markt seit dem Crash vom Oktober 1987 bereits wieder um mehr als 100 Prozent auf knapp 4.000 Punkte zugelegt. Wollte man hier nun die Weisheit beherzigen und antizyklisch handeln, so hätte man verkauft. Tatsächlich aber waren die Börsianer äußerst negativ gestimmt. Im Gegensatz zum Sommer 1987, als man sich an der Wall Street in Champagner-Laune befand, waren 1994 viele pessimistisch und aus Angst vor einem erneuten Crash ausgestiegen – viel zu früh, wie 1999 bei einem Dow Jones von über 10.000 Punkten jeder wusst. Die Stimmungsindikatoren zeigten diese Tatsache deutlich. Wer also in seiner Börsenanalyse die Massenpsychologie berücksichtigte, sah diesen entscheidenden Unterschied, hielt an seinen Aktienpositionen fest und verdiente kräftig.

Die logische Erklärung für ein unlogisches Phänomen

Aber warum steigen die Kurse eigentlich, wenn alle pessimistisch sind, und warum fallen sie, wenn alle optimistisch sind? Das erscheint doch auf den ersten Blick völlig unlogisch. Beim zweiten Hinsehen leuchtet das jedoch recht schnell ein, denn versetzt man sich in die Lage eines Anlegers, so stellt man ziemlich schnell folgendes fest: Wer angibt, optimistisch zu sein, hat in der Regel sein Geld bereits investiert und will nicht erst noch kaufen. Und darin liegt die Ursache für das Phänomen, denn dieser Marktteilnehmer fällt damit als zukünftiger Käufer aus. Wenn nun die Mehrheit optimistisch ist, dann fällt also auch die Mehrheit als Käufer aus. Damit die Kurse aber weiter steigen, müssen mehr Anleger kaufen als verkaufen. Je mehr Optimisten es aber gibt, desto weniger potentielle Käufer und desto mehr potentielle Verkäufer sind vorhanden. Also steigt mit wachsendem Optimismus die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse bald fallen werden. Wer hingegen pessimistisch ist, wird nicht erst noch verkaufen, sondern hat in der Regel bereits seine Aktienpositionen aufgelöst und sitzt jetzt nun auf Bargeld. Dieser Anleger ist somit ein potentieller Käufer von morgen und wie die Erfahrung gezeigt hat, springen selbst die eingefleischtesten Pessimisten auf den fahrenden Zug auf wenn die Börse erst einmal wieder steigt. Je mehr Pessimisten es also gibt, desto mehr potentielle Käufer und desto weniger potentielle Verkäufer sind vorhanden. Das ist der Grund warum bei steigendem Pessimismus die Wahrscheinlichkeit auf baldige Kursteigerungen wächst.

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Alltagsbeispiele und Stimmungs-Indikatoren

Überträgt man diese Erkenntnis auf den persönlichen Alltag so wird folgendes klar: Wird selbst in der Bild-Zeitung zum Kauf von Aktien geraten oder geht es beim Kaffeeklatsch nicht mehr um Frisuren, sondern um Aktien und selbst an Stammtischen nicht mehr um Fußball, sondern um den Neuen Markt, so ist Vorsicht angesagt. In dieser Situation, in der sich auch die Analysten und Börsenjournalisten mit Kaufempfehlungen überschlagen, ist der Markt „übergekauft“ und demnächst reif für eine Korrektur. Mahnen die Experten hingegen zur Vorsicht, geht es beim Kaffeeklatsch wieder um Frisuren und am Stammtisch wieder um Fußball, ist wieder eine gute Zeit für den Aktienkauf. Gerade diese alltäglich erkennbaren Indikatoren sind nützliche Hilfen für den Privatanleger, um die psychologische Verfassung zu analysieren.

Repräsentativer sind allerdings die durch Umfragen ermittelte Stimmungs-Indikatoren, denn solche Indikatoren erlauben eine genauere Quantifizierung der optimistisch, pessimistisch und neutral eingestellten Börsianer. Eine weitere Methode ist die Auswertung der jeweils positiv und negativ gestimmten Börsenbriefe oder des Umsatz-Verhältnisses von Put- zu Call-Optionen, das so genannte Put/Call-Ratio.

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