Welche verschiedenen Anlagestrategien gibt es?

Manch einer fragt sich vielleicht, wie es denn eigentlich an der Börse überhaupt steigende oder fallende Kurse geben kann und wie das ganze denn funktioniert. Denn schließlich verfolgen doch alle Anleger im Endeffekt das gleiche Ziel und demzufolge müssten doch auch alle etwa zur gleichen Zeit kaufen, wenn sich steigende Kurse abzeichnen, und verkaufen, wenn es mit den Kursen bergab geht. Und trotzdem gibt es fast immer einen Käufer wenn man seine Papiere verkaufen will und umgekehrt findet sich auch fast immer ein Anleger, der seine Papiere loswerden will wenn man selbst welche kaufen möchte. Und die Börse bzw. der Markt allgemein führt ja auch immer die beiden Seiten zusammen. Nur deshalb funktioniert die Börse ja auch überhaupt.

Das heißt aber auch, dass die Anleger verschiedene Meinungen über die künftige Entwicklung haben. Das allein ist es aber auch nicht, was die Börse vorantreibt. Denn selbst die Anleger, welche die gleiche Meinung vertreten, kaufen doch nicht alle zur gleichen Zeit. Der eine kauft jetzt gleich, weil er bereit ist, auch etwas mehr Risiko einzugehen um möglichst kurzfristig einen hohen Gewinn mitzunehmen. Der andere kauft aber vielleicht erst übermorgen, weil er erst noch abwarten will, ob die eingeschlagenen Entwicklung auch von Dauer ist und sich dann den Wert für etwas längere Zeit hinlegen möchte. Und wieder ein anderer ist schon längst investiert, hat schon bei fallenden Kursen gekauft um ja nicht den richtigen Einstiegszeitpunkt zu verpassen.

Die Anleger haben zwar alle das gleiche Ziel, verfolgen aber unterschiedliche Strategien. Zum einen geschieht das natürlich deshalb, weil auch an der Börse „viele Wege nach Rom führen“, zum anderen aber hauptsächlich, weil die Anleger unterschiedliche Mentalitäten besitzen. Und genau deshalb kann man auch grundsätzlich verschiedene Anlegertypen unterscheiden, die alle verschiedene Strategien verfolgen. Wer sich selbst richtig einschätzen kann, der kann daraus vielleicht die für sich erfolgversprechendste Strategie erkennen.

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1. Der Trader:

Der Trader beobachtet mehrmals täglich die Kurse um immer bereit zu sein, sehr schnell zu handeln. Er legt sehr kurzfristig an, also auch mal nur für wenige Stunden, um in kurzer Zeit Gewinne sofort mitzunehmen und durch eine möglichst hohe Trefferquote eine gute Performance zu erzielen. Durch das schnelle hin und her lassen sich auch kleine Gewinne zu großen Summen sammeln. Auf der Gegenseite ist es vor allem sehr wichtig, dass der Trader nicht versucht, Verluste auszusitzen, sondern konsequent mit Stopps arbeitet, also schon bei kleinen Verlusten schnell verkauft. So ist das Kapital nicht zu lange gebunden und kann sofort für weitere Trades verwendet werden.

Fazit: Diese Taktik empfiehlt sich für solche Anleger, die bereits sehr erfahren sind und über einen guten Instinkt für die Marktlage verfügen. Wichtigste Voraussetzung sind hier allerdings sehr sehr gute Nerven. Nachteil ist weiterhin, dass diese Taktik sehr zeitaufwendig ist. Nicht allein deshalb empfiehlt sie sich für den Privatanleger weniger. Traden ist hier einfach viel zu aufwendig und riskant.

2. Der Spekulant:

Auch der Spekulant beobachtet den Markt sehr genau. Er ist aber etwas längerfristig in seinem Handeln orientiert. Gerade deswegen kann er auch mal einige Tage lang aussetzen, sowohl in seiner Marktbeobachtung als auch in seinem Handeln. Grundverhalten des Spekulanten ist das Setzen auf kurzfristige Anstiege meist von „heißen“ Werten. Der Spekulant kauft solche Werte (oft turnaround-Kandidaten) in der Hoffnung auf einen starken Anstieg. Bleibt dieser Anstieg vorerst aus, so verkauft er nicht sofort wieder sondern kann auch mal etwas warten, wenn die Aussicht weiterhin gut ist. Aber auch der Spekulant arbeitet mit Stopps um sich vor größeren Verlusten zu schützen.

Fazit: Natürlich ist auch für diese Taktik etwas mehr Erfahrung nötig, denn man muss den Marktüberblick behalten um sich relativ kurzfristig entscheiden zu können. Denn manchmal sind Verluste Nachkaufgelegenheiten ein anderes Mal ist der schnelle Ausstieg ratsamer. Das ist aber ohne Erfahrung und Marktüberblick nicht leicht zu erkennen. Trotzdem können auch Nichtprofis spekulieren, jedoch mit relativ hohem Zeitaufwand und auch entsprechendem Risiko.

3. Der Anleger:

Der Name sagt es bereits, der Anleger spekuliert nicht hauptsächlich und will auch nicht unbedingt traden sondern legt sein Geld an und das ist eine eher längerfristige Angelegenheit. Man kann aber hier zwischen zwei verschiedenen Typen unterscheiden.

a) Der eher spekulativ orientierte Anleger: Dieser Anlegertyp setzt zwar auf spekulative Werte, aber er verfolgt dabei nicht unbedingt das Ziel kurzfristig hohe Gewinne, sondern eher mittelfristig eine gute Performance zu erzielen. Das heißt, er nimmt Gewinne nicht so schnell mit sondern lässt diese auch gern mal laufen und muss sich deshalb auch nicht ganz so oft mit der Börse beschäftigen. Allerdings ist dafür eine gezielte Auswahl an Werten wichtig, denn man kann nur solche Werte erfolgreich länger halten, von denen man wirklich überzeugt ist, weil man durch intensive Recherchen einen starken Anstieg auf mittlere Sicht (mehrere Monate) für gerechtfertigt hält und sich nicht durch Schwankungen oder unbedeutende News zu kurzfristigem Aus- oder Einstieg bewegen lässt.

Fazit: Bei dieser Anlagestrategie wird eher weniger umstrukturiert. Deshalb ist die Notwendigkeit, den Markt regelmäßig zu beobachten, geringer, wodurch sich diese Strategie gut für den aktiven Privatanleger eignet. Ein gelegentliches Stopp-Loss-Limit ist auch hier ratsam, um erzielte Gewinne abzusichern oder richtig dicke Verluste zu vermeiden. Besonders interessant ist bei dieser Anlagestrategie das Halten über die Steuerfrist (12 Monate) hinaus, denn dann schmälern, wie bei den beiden anderen Typen, die oft erheblichen Abzüge des Fiskus die Performance nicht.

b) Der eher langfristig orientierte Anleger: Der langfristig orientierte Anleger dagegen kauft nur sehr selten und schichtet sein Depot auch nur selten um, da er sich nur gelegentlich mit seinem Depot beschäftigen will oder auch kann. Natürlich ist auch für ihn die richtige Auswahl der Werte sehr wichtig, da er diese ja meist über Jahre hinweg ohne große Sorgen liegen lassen möchte. Und genau deshalb setzt er ausschließlich auf langfristig aussichtsreiche Wachstumswerte. Diese bieten dann auch bei kurzfristigen Gewinnen oder Verlusten keinen Grund auszusteigen, da die langfristigen Aussichten entscheidend sind.

Fazit: Wer sich nicht regelmäßig um seine Geldgeschäfte kümmern kann oder will, sollte Wachstumswerte, von denen er sich vor dem Kauf überzeugt hat, ins Depot legen und sich in einigen Jahren über die gute steuerfreie Performance freuen können.

Und welcher Typ bin ich?

Einige können sich jetzt sicher schon ohne weiteres in eine der Kategorien einordnen, andere dagegen fragen sich vielleicht verwirrt, welcher Anlegertyp sie denn nun sind. Um das beantworten zu können sollte sich jeder vor allem folgende drei Fragen stellen:

  1. Welches Risiko kann und möchte ich mir finanziell „leisten“?
  2. Wie viel Zeit kann ich für die Börse und das Marktgeschehen investieren?
  3. Wie lange kann und möchte ich meine Aktien halten bzw. mein Kapital binden?

Wer diese Fragen überlegt und ehrlich beantwortet, der kann sich sicher recht gut auf eine der oben genannten Strategien festlegen. Wobei festlegen hier nicht etwa heißt, das man nur nach dieser einen Strategie handeln muss. Man kann sein Depot nämlich durchaus auch mit verschiedenen Strategien betreiben, beispielsweise einen Teil seines Depots als langfristige Altersvorsorge betrachten, einen weiteren Teil aber als spekulative Anlage. Und auch ein bisschen traden kann prinzipiell der Gesamtperformance nicht schaden. Allerdings benötigt man immer das gewisse Maß an Selbstdisziplin um nicht nach eventuellen Verlusten mit den Reserven zu spekulieren, die eigentlich für die Altersvorsorge gedacht waren!

Letztlich können viele Wege zu einer guten Depotperformance führen aber jeder muss sich immer selbst klarmachen, wie viel Engagement und Risikobereitschaft er geben will und kann, kurzum was für ein Anlegertyp er selbst ist, denn eines ist ganz klar: Der typische „Sparbuchanleger“, der keinesfalls Verluste machen will, hat an der Börse nichts verloren.

Was gibt es bei der Depotstruktur zu beachten?

Anzahl und Gewichtung der Werte: Ein häufiger Anlegerfehler ist, dass viel zu wenig Werte im Depot liegen. Das heißt natürlich nicht, dass man damit keine Gewinne machen kann, im Gegenteil, wenn die entsprechenden Werte echte Perlen sind, kann das sogar exorbitante Renditen ergeben.

ABER: Das Risiko eines Totalverlustes oder einer sehr starken Einbusse des Gesamtvermögens ist dadurch um ein Vielfachen größer als bei „normaler“ Gewichtung! So kann bei z. B. bei nur zwei Depotwerten ein Rückgang um 50 Prozent des einen schon einen Verlust von 25 Prozent des gesamten Vermögens bedeuten. Das kann bei einer entsprechenden Depotgröße sehr schmerzhaft sein. Auch wenn man sagt, „einen solchen Rückschlag kann man ja aussitzen“, kann man doch in Situationen geraten, in denen man schnell eine größere Summe auftreiben muss.

Noch riskanter wird eine derartige Depotstruktur bei Käufen auf Kredit: In diesem Fall kann man schon bei geringeren Rückgängen zur Realisierung von Verlusten gezwungen sein, wenn die Deckungssumme nicht mehr ausreicht. Ein Aussitzen ist dann ganz ausgeschlossen.

Deshalb immer mindestens 6 – 8 Werte im Depot halten oder entsprechende Mengen an Geld, falls man bei einigen Werten ausgestiegen ist. Dabei sollte der Depotanteil eines Wertes nie 20 Prozent übersteigen (schon das ist sehr spekulativ!!!), optimal sind Anteile um 10 Prozent.

Es gilt: So ist natürlich bei einem Depotvolumen von 20.000 ein Split in 6 Werte gerade noch möglich, wenn auch manchmal schwierig, bei 200.000 dagegen sind 10 bis 12 verschiedene Werte auch von Gebührenseite her kein Problem.

Besonders riskant ist es, bei noch kleineren Depotvolumen (z. B. unter 10.000 Euro große Anteile in einen Wert zu stecken, auch wenn die Gebühren hier natürlich besonders stark zu Buche schlagen. Doch über die meisten Banken ist die Minimumprovision so gering (unter 10 Euro bzw. 1 Prozent, mehr sollte man nicht zahlen), dass man lieber dabei etwas höhere Gebührenanteile in Kauf nimmt, als alles auf eine Karte zu setzen.

In diesen Fällen sollte man lieber so viele 2000 Euro-Pakete kaufen, wie möglich, wobei man unter 5.000 Euro Anlagevermögen nicht direkt in Einzelaktien geht. Das ist meist zu riskant. Für diese Anleger gibt es immerhin die Möglichkeit der Aktienfonds, welche die Risiken durch breitere Streuung reduzieren.

Der andere Fehler kann aber auch sein, dass man viel zu viele Einzelwerte aufnimmt. Es ist nicht sinnvoll, in jeden „heißen Tipp“ eines Freundes oder des Anlageberaters gleich ein paar Euro zu stecken, da man so sehr schnell den Überblick über das Depot verliert. Besonders gefährlich ist dabei, dass man im Fall von Verlusten resigniert und den Wert einfach nur „rumliegen“ lässt in der Hoffnung, dass die Aktie irgendwann wieder steigt. In dieser Zeit entgehen andernorts Gewinne.

Gelegentlich sollte man deshalb jeden einzelnen Wert im Depot auf seine Aussichten überprüfen und entscheiden, ob man ihn eventuell verkauft. Es ist besser, in weniger Aktien, von deren Erfolg man überzeugt ist, jeweils mehr Kapital zu investieren, als sich mit zahllosen einigermaßen aussichtsreichen Titeln zu verzetteln. Im Zweifelsfall lieber einmal mehr als einmal weniger verkaufen.

Depotstruktur-Fazit:

Je mehr Werte, desto geringer das Risiko – je größer das Gesamtvolumen des Depots, desto mehr Werte aufnehmen. Wobei man für „normale“ Vermögen bis 500.000 Euro auch nicht mehr als etwa 15 Werte aufnehmen würde, da sonst der Überblick verloren geht.

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