Eurex Optionen: Wie funktioniert der Optionshandel an der Eurex?

Wer denkt, dass die Eurex, die deutsch-schweizerische Terminbörse, ausschließlich die Spielwiese für große institutionelle Anleger ist, der liegt falsch. Mittlerweile hat auch der Privatanleger die Möglichkeiten des Handels von Optionen und Futures erkannt und verwendet zunehmend diese Produkte. Speziell mit Optionen kann man jede Börsensituation ausnutzen, egal ob es aufwärts, abwärts oder sogar seitwärts geht.

Kurz zur Erinnerung: Eine Call-Option verbrieft das Recht, einen zugrundeliegenden Basiswert (beispielsweise Aktien) zu einen festgelegten Preis (Ausübungspreis) und zu einem bestimmten Termin zu kaufen. Eine Put-Option verbrieft das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis und zu einem bestimmten Termin zu verkaufen.

Optionen an der Eurex sind im Prinzip genau das gleiche wie Optionsscheine an den „normalen“ Börsen. Doch die Preisfindung von Optionen an der Eurex ist wesentlich transparenter. Der Handel läuft voll elektronisch ab und es stehen sogenannte Market-Maker zur Verfügung. Sie stellen jederzeit Kauf- und Verkaufskurse und tragen somit zu einem liquiden Handel an der Eurex bei. Doch es gibt einen weiteren wichtigen Unterschied zu Optionsscheinen: An der Eurex kann man Optionen nämlich auch „schreiben “ – man kann an der Eurex Optionen quasi selbst „emittieren“. Oder einfach gesagt: Man verkauft Optionen, die man vorher gar nicht hatte. Es ist für den Anleger also möglich, vier Grundpositionen einzugehen.

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1. Kauf einer Call Option – Long Call:

Der Käufer eines Calls setzt auf steigende Kurse. Beim Kauf der Option zahlt er dafür einen Preis, die sogenannte Optionsprämie. Steigt nun der zugrundeliegende Wert der Option, dann steigt auch der Wert der Option – allerdings mit einem größeren Hebel.

Beispiel: Die DaimlerChrysler Aktie notierte am 29.01. bei 52,50 Euro. Eine Call Option, die einen Ausübungspreis von 50 Euro hat und im Juni 01 verfällt, kostet am gleichen Tag 5,40 Euro. Steigt die DaimlerChrysler Aktie jetzt bis zum Verfallstag auf beispielsweise 60 Euro, dann ist die Option 10 Euro wert. Der Optionsinhaber würde ja das Optionsrecht ausüben und die Aktie für 50 Euro erwerben, um sie für 60 Euro wieder am Markt zu verkaufen. Der große Hebel wird dadurch deutlich, dass sich der Wert der Option fast verdoppelt (von 5,40 auf 10 Euro), wobei die Aktie nur ca. 14 % zulegt. Das Risiko, was der Käufer der Option eingeht, ist die Optionsprämie. Notiert die DaimlerChrysler Aktie am Verfallstag der Option nämlich genau bei 50 Euro oder tiefer, dann verfällt die Option wertlos. Dem Optionskäufer steht dem Totalverlust ein unbegrenztes Gewinnpotential gegenüber.

2. Das Schreiben einer Call Option – Short Call:

Der Verkäufer (Schreiber) eines Call setzt normalerweise auf stagnierende bis leicht fallende Kurse. Für den Verkauf des Call erhält er die Optionsprämie. Im Gegensatz zum Optionskäufer, hat der Optionsschreiber die Verpflichtung, auf Verlangen des Optionsinhabers den zugrundeliegenden Basiswert zum vereinbarten Ausübungspreis zu liefern. Fällt der Basiswert bis zum Verfallstag unter den Ausübungspreis, dann verfällt die Option für ihren Inhaber wertlos, und der Gewinn des Optionsverkäufers ist die Optionsprämie. Steigt hingegen der Basiswert über den Ausübungspreis, dann wird der Optionsinhaber die Option ausüben und verlangt den Basiswert vom Optionsschreiber zum vereinbarten Preis. Das kann für den Optionsverkäufer theoretisch zu unbegrenzten Verlusten führen.

Als Beispiel nehm ich hier wieder die Option aus dem 1. Fall: Der Verkäufer (Schreiber) der Option bekommt die Optionsprämie in Höhe von 5,40 Euro pro DaimlerChrysler Aktie. Notiert die Aktie am Verfalltag unter dem Ausübungspreis von 50 Euro, dann würde der Optionsinhaber sein Recht, die Aktien zu 50 Euro zu erwerben nicht ausüben und der Optionsschreiber hätte als Gewinn die Optionsprämie in Höhe von 5,40 Euro. Steigt die Aktie aber beispielsweise auf 70 Euro, wird der Optionsinhaber von seinem Recht Gebrauch machen und die DaimlerChrysler Aktie für 50 Euro vom Optionsschreiber verlangen. Wenn der Optionsschreiber die Aktien nicht im Depotbestand hat, dann muss er die Aktien jetzt für 70 Euro am Markt kaufen um sie zu 50 Euro zu liefern. Er würde also insgesamt 20 Euro pro Aktie abzüglich 5,40 Euro Optionsprämie = 14,60 Euro verlieren. Der Gewinn des Optionsschreibers ist also auf die Optionsprämie beschränkt, das Verlustpotential ist aber theoretisch unbegrenzt. Aus diesem Grund möchte der Broker beim Schreiben von Call Optionen auch eine entsprechende Sicherheit sehen. Entweder den zugrundeliegenden Basiswert im Depot (in diesem Fall DaimlerChrysler Aktien), oder ausreichend Geld auf einem Marginkonto.

3. Der Kauf einer Put Option – Long Put:

Der Käufer einer Put Option setzt auf fallende Kurse. Für den Erwerb der Option zahlt er die Optionsprämie. Fällt nun der Kurs des zugrundeliegenden Basiswertes, dann steigt der Wert des Put.

Beispiel: Die DaimlerChrysler Aktie notiert am 29.01. bei 52,50 Euro. Ein Put mit Strikepreis (Ausübungspreis) von 50 Euro und Verfalltag im Juni 01 kostet am gleichen Tag 3,80 Euro. Fällt die DaimlerChrysler Aktie jetzt bis zum Verfallstag auf beispielsweise 40 Euro, dann ist die Option 10 Euro Wert, da der Optionskäufer die DaimlerChrysler Aktien ja für 40 Euro kaufen kann und sie mit Hilfe der Put Option ja für 50 Euro wieder verkaufen kann. Hier ist die Hebelwirkung der Option auch wieder gut zu erkennen. Die Aktie fällt um ca. 24 % und die Option legt um ca. 160 % zu. Das Risiko, was der Käufer der Option eingeht, ist wie beim Call die Optionsprämie, welche er maximal verlieren kann. Notiert die DaimlerChrysler Aktie am Verfallstag der Option nämlich genau bei 50 Euro oder höher, dann verfällt die Option wertlos. Dem Put Optionskäufer steht dem Totalverlust jedoch ein wesentlich höheres Gewinnpotential gegenüber.

4. Der Verkauf einer Put Option – Short Put:

Der Verkäufer einer Put Option setzt auf stagnierende bis leicht steigende Kurse. Er verkauft (schreibt) die Option und erhält dafür wie beim Call die Optionsprämie. Wenn der Optionsinhaber die Option ausüben will, dann ist der Schreiber verpflichtet dem Optionsinhaber den Basiswert zum Ausübungspreis abzukaufen. Steigt der Basiswert bis zum Verfallstag über den Ausübungspreis, dann verfällt die Option wertlos, und der Gewinn des Optionsverkäufers ist die Optionsprämie. Fällt jedoch der Basiswert unter den Ausübungspreis, dann wird der Put-Optionsinhaber sein Recht ausüben. Das kann für den Optionsverkäufer theoretisch zu extrem hohen Verlusten führen.

Als Beispiel nehm ich die Put Option aus dem 3. Fall: Der Verkäufer (Schreiber) der Option bekommt die Optionsprämie in Höhe von 3,80 Euro pro DaimlerChrysler Aktie. Notiert die Aktie am Verfalltag über dem Ausübungspreis von 50 Euro, dann wäre die Optionsprämie sein Gewinn. Fällt die Aktie aber beispielsweise auf 40 Euro, wird der Optionsinhaber von seinem Recht Gebrauch machen und die Daimlerchrysler Aktie zu 50 Euro an den Optionsschreiber verkaufen. Der Optionsschreiber könnte die Aktien dann zu 40 Euro am Markt verkaufen und würde dann 10 Euro abzüglich 3,80 Euro Optionsprämie = 6,20 Euro pro Aktie verlieren. Der Gewinn des Optionsschreibers ist also auf die Optionsprämie beschränkt, der Verlust kann aber die einbehaltene Optionsprämie um ein Vielfaches übersteigen. Aus diesem Grund möchte der Broker auch beim Schreiben von Put Optionen eine entsprechende Sicherheit auf einem Marginkonto sehen.

Kontraktgrößen und weitere Infos

Die Kontraktgröße für Aktienoptionen an der Eurex ist meistens 100 Stück. Das heißt, wenn man im obigen Beispiel den DaimlerChrysler Call zu 5,40 Euro gekauft hätte, dann hätte man für einen Kontrakt 540 Euro einsetzen müssen, bewegt damit aber dann gleich 100 Aktien.

Neben diesen „einfachen“ vier Grundpositionen im Optionsgeschäft kann man durch eine geschickte Kombination vom Kauf oder Verkauf der verschiedenen Optionen (unterschiedliche Verfallstermine oder Strikepreise) sehr interessante Strategien aufbauen.

Wer jetzt Interesse an Optionen bekommen hat, kann beispielsweise mal auf die Internetseite der Eurex (Exchange.com und dann auf Eurex) nachschauen. Dort erhält man beispielsweise zeitverzögerte Kurse von Optionen. So kann man sich schon mal ein Bild davon machen was Optionen so ungefähr Kosten und wie stark sie sich bewegen können.

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